Kürzlich habe ich mir zum dritten Mal einen Braun PT5010 gekauft. Das «PT» in der Typbezeichnung steht dabei für «Precision Trimmer» – das Skalpell unter den Haarschneidegeräten.

Warum kauft man sich so ein Gerätchen dreimal hintereinander? Weil es erstens extrem praktisch ist, aber leider – zweitens – auch extrem schnell kaputt geht und es keinerlei Ersatzteile dafür gibt. Das Internet ist voll von Berichten verärgerter bzw. enttäuschter Kunden. Im Grunde handelt es sich um ein Einweggerät. Ich musste noch nie die jeweils mitgelieferte AAA-Batterie wechseln, weil immer bereits vor der Erschöpfung der Batterie der kleine Schneidkopf den Geist aufgab.
Sowas ärgert mich natürlich: dass man wegen eines Fehlers in einem Bauteil im Wert von einem Rappen-Bruchteil ein ansonsten voll funktionstüchtiges Gerät zum Preis von rund Fr. 30.- (inkl. Versand) wegwerfen muss. Also habe ich, auch auf Wunsch von Ursula, mit zunehmend fester geballter «Fuscht im Sack» das erwartbar wenig haltbare Gerätchen trotzdem zum dritten Mal bestellt. Heute wurde es geliefert.
Teardown
Und als ich seinen defekten Vorgänger so in den Händen hielt um wenigstens Batterie, Kunststoffteile und Elektroschrott sortenrein zu entsorgen, kam mir die Idee, vorher einmal nachzuschauen genau was denn am/im Schneidkopf immer kaputt geht. Da ich nichts zu verlieren hatte, war ich durchaus bereit, bei der Untersuchung eine evtl. erforderliche Zerstörung von Bauteilen in Kauf zu nehmen.
Der Schneidkopf ist über einen Bajonettverschluss mit dem stiftförmigen Basisgerät, dem «Stift», verbunden und lässt sich nach einer kleinen Drehbewegung unter vorsichtigem(!) axialem(!!) Zug vom Stift trennen. Ein Aufdruck auf dem Schneidkopf zeigt die zum Trennen erforderliche Verdrehrichtung an.
Hinweis: da der Braun PT5010 eine längliche, ausgesprochen schlanke Form aufweist, bezeichne ich mit «axial» die Richtung in Längsachse des Stifts. Auch wenn sich hier streng genommen nichts um eine «Achse» dreht.

Der Schneidkopf enthält ein festehendes und ein axial verschiebbares Messerchen. Beim Trennen von Schneidkopf und Stift wird notwendigerweise auch der Antrieb des beweglichen Messerchens getrennt. Was passiert dabei genau?
Die Antriebsbewegung wird vom Stift über eine Art «Clip-Verbindung» in den Schneidkopf übertragen, siehe die beiden weissen Kunststoffteile, die jeweils zentral in der Trennfuge sichtbar sind. Der Stift steuert dabei das «Männchen» bei, der Schneidkopf das «Weibchen».
Zurück zum Schneidkopf: das bewegliche Messerchen im Schneidkopf lässt sich mit dem Fingernagel, oder besser noch: mit der Spitze eines Cutter-Messers axial hin und her schieben. Die beiden Federchen des Schneidkopf-seitigen Clips bewegen sich dabei im exakt gleichen Mass in axialer Richtung aus der Trennfuge des Schneidkopfs heraus, bzw. hinein. Da findet also keinerlei Veränderung der Antriebsbewegung statt. Der Schneidkopf lässt sich übrigens in zwei um jeweils 180° axialer Verdrehrichtung verschiedenen Positionen montieren. Vielleicht, weil eine einseitige Sicherung zu «wackelig» gewesen wäre, vielleicht aber auch, um Linkshändern einen gleichwertigen Bedienkomfort wie Rechtshändern zu bieten? Ist aber auch egal – es spielt im vorliegenden Zusammenhang keine Rolle.
Die Ursache
Der vielfach beklagte Funktionsverlust des Braun PT5010 hat seine Ursache offensichtlich darin, dass die beiden weissen Kunststoff-Federchen der Schneidkopf-seitigen Clipverbindung ihre Spannkraft verloren haben und zuviel Abstand voneinander aufweisen. Möglicherweise begünstigt durch eine vorherige, unsachgemässe Trennung von Schneidkopf und Basisgerät unter Verkanten(!) und Auseinander-«hebeln» der beiden Teile relativ zueinander. Nach erneutem Verbinden von Schneidkopf und Stift rutscht dann der antriebsseitige Kopf des Clips zwischen den beiden plastisch verformten, bzw. erschlafften Federchen hin und her, ohne dass seine Bewegung von den beiden Federchen aufgenommen und auf das bewegliche Messerchen übertragen wird. So weit – so blöd.
Kann man da was gegen tun?
Offensichtlich gäbe es diesen Bericht nicht, wenn die Antwort auf obige Frage lautete, dass man nichts tun könne. Aber wie bin ich darauf gekommen?
Nun, ich habe den Schneidkopf lange zwischen den Fingern hin und her gedreht, auch mit einer Lupe scharf auf evtl. Ansatzpunkte abgesucht. Auf seinem Rücken, gegenüber der Schneidkante, erkannte ich eine hauchfeine Naht, wie sie evtl. die Trennfuge eines Spritzgusswerkzeugs hinterlassen haben könnte. Aber dann dachte ich mir, dass man kaum ein Spritzgussteil um ein feststehendes und um ein bewegliches Messerchen «drumherum» giessen könnte, mit Antrieb (weisses Kunststoffteil) dazu, während all seine Innereien leicht beweglich blieben. Und irgendwie müssen diese Bestandteile ja während der Produktion dieses Gerätchens montiert worden sein. Also bin ich der Naht gefolgt bis in den Bereich des Bajonetts rund um die Trennfuge zwischen Schneidkopf und Stift. Und sauber: hier weitete sich die anfangs «hauchfeine» Naht des Schneidkopfs in eine doch deutlich grober und sichtbarer daher kommende Fuge. Da ich ein Cutter-Messer bereits griffbereit auf meinem Schreibtisch liegen hatte, habe ich beherzt am äusseren Ende des zylindrischen Stutzens des Schneidkopfs angesetzt und den Cutter unter mittlerem Kraftaufwand axial nach aussen, von der Trennfuge weg, ca. 3 mm in Richtung Spitze des Schneidkopfs bewegt. Und zwar auf beiden Seiten des zylindrischen Stutzens. Für mich unerwartet, spaltete sich der Schneidkopf daraufhin sauber entlang seiner kompletten Fuge. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Der weisse Kunststoff-Clip ist bei gespaltenem Schneidkopf lediglich lose in eine Aussparung des beweglichen Messerchens eingelegt – das ist schon alles. Ich habe das weisse Kunststoff-Teil entnommen und die beiden Federchen am Clip-Ende zusammen «gebogen». Danach habe ich alles wieder zusammengelegt und gepresst, aber auf der Stutzen-Seite (am Bajonett) rasten die beiden Gehäuseschalen des Schneidkopfs leider nicht mehr in einander ein. Anscheinend habe ich dort mit dem Cutter feine Halteklämmerchen durchtrennt. Allerdings übernimmt bei zusammengefügtem Schneidkopf-Stift der umhüllende Innenzylinder des Stifts das Zusammenhalten der beiden Schalen des Schneidkopfs. Damit kann ich gut leben, den die Funktion des Geräts ist vollständig wiederhergestellt. Die weitere Zerlegung in sortenreine Wertstofffraktionen ist jedenfalls für dieses Exemplar vorläufig aufgeschoben.
Denn aktuell habe ich nun zwei funktionierende Braun PT5010. 😎