E-MTB umrundet den Alpstein

Die Eckdaten hatten mir bisher ziemlichen Respekt eingeflösst: 108 km Streckenlänge und über 3’300 Höhenmeter Anstiege.

Bild anklicken um die Tour interaktiv in www.schweizmobil.ch anzusehen

Die Tour stand schon auf meiner Liste, seit ich mit meinem E-MTB in den Kanton Appenzell-Innerrhoden gezogen war. Nun bin ich sie gefahren, innerhalb eines Tages. Dem freundlichen Wetter und der maximalen Tageslänge rund um den Sommeranfang sei Dank! Unterwegs habe ich rund drei Stunden Pause bzw. Wartezeit für das Nachladen des Akkus meines E-MTB verbracht. Insgesamt war ich elf Stunden unterwegs. Aber der Reihe nach:

Der Streckenverlauf setzt sich im wesentlichen aus Abschnitten der Nationalen Mountainbike-Route #2, sowie der Regionalen Mountainbike-Routen #33 und #55 zusammen. Ergänzt um selbst gewählte Verbindungsstücke, um möglichst effizient (strecken- und aufstiegssparsam) einen geschlossenen Rundkurs zustande zu bringen.

Da die oben genannten, offiziellen MTB-Routen auf www.schweizmobil.ch in grosser Detaillierung (zoombar) und auch mit Beschreibung und Fotos einsehbar sind, konzentriere ich mich hauptsächlich auf die von mir frei gewählten Teilstrecken und besondere Beobachtungen. Fragen des Energiehaushalts meines E-Bike Akkus betrachte ich in einer separaten Artikel-Serie.

Etappe 1: Haslen bis Ruschwald

Der eigentliche Rundkurs beginnt und endet für mich in Appenzell. Aber da ich nun einmal in Haslen wohne, absolviere ich An- und Rückreise ganz konventionell auf der Kantonsstrasse. Abfahrt zu Hause um 07:15.

Abfahrt zu Hause um 07:15.

Ab Appenzell folge ich bis Eggerstanden der MTB-Route #2, wende mich aber dann nach Osten. Kurz hinter dem Ortsende halte ich mich rechts, in Richtung «Montlinger Schwamm».

Abzweig in Richtung Kapelle Bildstein, Montlinger Schwamm

Ab hier steigt der Weg stetig an. Bald ist die Kapelle Bildstein auf 1’017 m.ü.M. erreicht.

Beweisfoto von der Kapelle Bildstein

Weiter geht es auf gut ausgebauten Waldwegen in Richtung Berggasthaus «Montlinger Schwamm», welches ich wenig später passiere. Bald darauf muss ich das erste Mal aus dem Sattel, als ich ein kurzes abschüssiges Wiesenstück in den Pedalen stehend zurücklege. Am unteren Ende, 958 m.ü.M., treffe ich erstmalig auf die MTB-Route #55, der ich von jetzt an bis Wildhaus SG folgen werde. Nach ziemlich genau einer Stunde Gesamtzeit erreiche ich am Ruschwald einen Zwischengipfel auf 1’200 m.ü.M. und das Ende der ersten Etappe. Von hier hat man einen schönen Ausblick ins Rheintal, der bei klarem Wetter sicher noch schöner gewesen wäre. Aber fürs Bergauf-Strampeln ist das Wetter ideal.

Ein erstes Zwischenhoch ist erreicht: Ruschwald auf 1’200 m.ü.M.
Blick ins Rheintal – in der Bildmitte: der Hirschensprung

Damit endet Etappe 1. Der erste von 5 Balken in der Anzeige der verbleibenden Akkukapazität ist längst verschwunden, der zweite bereits gut angebrochen, auch wenn das nicht genauer angezeigt wird. Hier noch die statistische Auswertung.

Statistik über Etappe 1 der Alpsteinumrundung

Etappe 2: Ruschwald bis Frümsen, Talstation Staubernbahn

Die Etappe beginnt mit einem über weite Strecken rasanten Abstieg auf Asphalt über rund 800 Höhenmeter bis nach Rüthi SG im Rheintal, 420 m.ü.M.. Die Rasanz wird ein wenig eingebremst, da man sich quasi durchgehend im Alpgebiet befindet, was immer wieder mit einschlägigen Beeinträchtigungen einhergeht. Von grossflächig verschissenem Fahrbahnbelag über land- oder forstwirtschaftlichen Verkehr, bis zu Kühen mitten auf der Strasse.

Auf halber Höhe, der Blick entlang des Rheintals in Richtung Sargans

Am Ortseingang von Rüthi warnt ein speziell für Mountainbiker gedachtes Schild vor den übrigen Gefahren beim Wiedereintritt in die Zivilisation:

Spricht für sich.

Nun folgt eine buchstäblich malerische Fahrt in der Rheintal-Ebene entlang des Rheintaler Binnenkanals. Der streckenweise dichte Schilfsaum, Schwäne, Reiher und Störche sowie das kaum erkennbar dahingleitende Wasser mit gelegentlichen Schleusen erinnert an Szenen aus dem Elsass.

Auf der Höhe von Sennwald verlasse ich den Grund des Rheintals, und gewinne langsam wieder etwas an Höhe. Bald erreiche ich die Talstation der Staubernbahn auf 500 m.ü.M.. Inzwischen ist auch schon der zweite Balken meiner Akku-Kapazitätsanzeige verbraucht. Ich mache mir Sorgen, ob ich es mit der verbleibenden Energie bis nach Wildhaus schaffen werde.

Während ich noch meine Optionen sortiere, kommt ein Angestellter der Bahn mit seinem Elektroauto vorgefahren und fährt in die Einstellhalle der Talstation. Ein grosser Aufkleber an seinem Dienstwagen verkündet, dass das Fahrzeug «rein elektrisch» unterwegs sei. Das ist meine Chance! Ich drücke ein wenig auf die Tränendrüse und frage ihn – von Elektrofahrer zu Elektrofahrer – ob er mir nicht eine Steckdose zum Auftanken vor meinem Anstieg nach Wildhaus bieten können. Und tatsächlich: er kann!!! Die Talstation weist auf ihrer linken Seite vom Parkplatz aus gesehen einen wettergeschützten, von aussen frei(!) zugänglichen, grosszügig bestückten Wandverteiler mit sämtlichen gängigen Steckdosentypen auf. Dort darf ich mich bedienen:

Nur zwei Minuten nach Anschluss des Ladegeräts ist der dritte Balken bereits wiederhergestellt, und der vierte Balken beginnt zu blinken. Ich hatte also insgesamt bis hierher ziemlich genau zwei von fünf Balken verbraucht.

Nach weiteren 25 Minuten ist auch der vierte Balken wiederhergestellt, und der fünfte Balken beginnt zu blinken. Dieser benötigt nach meinen bisherigen Erfahrungen immer besonders lange, bis die Ladung komplett abgeschlossen ist. Da der Tag noch lang ist, und ich lieber auf Nummer sicher gehe, gönne ich dem Ladevorgang eine weitere Stunde. Der fünfte Balken blinkt noch immer, aber nun ist meine Geduld erschöpft. Bzw.: ich bin zuversichtlich, dass der Akku mich nun bis Gamplüt unterstützen wird. Inzwischen ist es 10:45. Hier noch die Statistik für Etappe 2:

Statistik über Etappe 2 der Alpsteinumrundung

Etappe 3: Stauberenbahn Talstation bis Berggasthaus Gamplüt

Diese Etappe erwies sich im Nachhinein als die anstrengendste: obwohl zwischen Start und Ziel der Etappe netto «nur» 850 Meter Höhendifferenz liegen, standen wegen des ausgeprägten Profilverlaufs am Schluss 1’270 Meter Aufstieg auf der Uhr. Das hätte wohl mit nicht ganz drei vollen Balken in der Kapazitätsanzeige ab Staubern Talstation gegen Ende hin eng werden können.

Da das Wetter weiterhin stark bedeckt war, habe ich auf diesem Abschnitt wenig fotografiert und verweise auf z.T. aussagekräftige Fotos und Beschreibungen dieses Abschnitts auf www.schweizmobil.ch. Der Blick wechselte auf dieser Etappe vom Rheintal ins Toggenburgische.

Berits in Sichtweite von Wildhaus, höre ich die Kirchturmuhr 12:00 schlagen und erblicke erstmals aus der Ferne das markante Windrad des Berggasthauses Gamplüt oberhalb von Wildhaus, meinem Etappenziel:

Auf halber Höhe des Bildes, Richtung ca. 9:00, das Windrad von Gamplüt

Wenig später passiere ich den Schönenbodensee, einen malerisch gelegenen Badesee mit Liegeplattformen, der unter anderen Umständen eine längere Rast verdient hätte und vielleicht sogar ein Bad wert gewesen wäre.

Der Schönenbodensee, ca. 2 km östlich von Wildhaus

Aber nun meldet sich mein Magen, und ausserdem weiss ich aus einer Voranfrage, dass ich oben im Berggasthaus eine Steckdose zum Aufladen benutzen darf. Also fahre ich am See vorbei. Im Zentrum von Wildhaus wechsle ich von der Regionalen Mountainbike-Route #55 auf die ebenfalls Regionale Mountainbike-Route #33.

Hier verlasse ich die Nr. 55 und folge ab jetzt der Nr. 33.

Wenig später erreiche ich das Berggasthaus, wo ich in der Halle der zugehörigen Bergbahn mein Ladegerät und Bike an eine Steckdose anschliesse und mich in der Gaststube stärke.

Auch hier gönne ich mir (bzw. dem Akku) rund anderthalb Stunden Ladezeit, ohne dass der fünfte und letzte Balken aufgehört hätte zu blinken. Bis hierher habe ich jetzt die Hälfte der Strecke und schon zwei Drittel des Aufstiegs hinter mich gebracht und befinde mich auf rund 1’350 m.ü.M. am vorläufig höchsten Punkt meiner Alpsteinumrundung.

Hier noch die Statistik der Etappe 3:

Statistik über Etappe 3 der Alpsteinumrundung

Etappe 4: Berggasthaus Gamplüt bis Risipass

Ein letzter Blick zurück von Gamplüt ins weit zurückliegende Rheintal

Von Gamplüt aus muss ich zunächst das Tal der jungen Säntisthur durchqueren und dazu knappe 300 Höhenmeter durch Wald auf Naturbelag absteigen. Unten passiere ich auf dem Fahrweg den Grillplatz «Laui», der wegen seiner Lage am flachen Bach für kleine und grössere Kinder ideal gelegen ist und offensichtlich für grösseren Besucheransturm dimensioniert ist. Dazu kommt, dass er auf asphaltierter Fahrstrasse mit dem Auto erreichbar ist …

Der Grillplatz Laui erstreckt sich zu beiden Seiten der Fahrstrasse entlang der jungen Säntisthur

Bald darauf verlasse ich die Fahrstrasse und folge der wieder ansteigenden MTB-Route #33 zum nächsten Wegpunkt, dem Gräppelensee.

Auf ca. 1’320 m.ü.M. (Höhenmesser im Auge behalten!) verlasse ich an einer sehr unscheinbaren Stelle die MTB‑Route #33 nach rechts. Links befinden sich einige ältere und neuere landwirtschaftlich genutzte Gebäude. Nun folgt eine selbst gewählte, nicht als MTB-Route markierte Abkürzung «Neuenalp bis Muggenboden», welche mir ca. 300 Höhenmeter zusätzlichen Ab- und Wiederaufstieg, sowie rund 11 km zusätzliche Strecke auf ausgewiesenen MTB-Trails erspart:

Aber, wie das so ist im Leben: man kriegt nichts geschenkt. Während der Beginn der Abkürzung auf den ersten Metern noch als gut erkennbarer, naturstein-gepflasterter Trail erscheint (siehe voriges Foto), verliert er sich bald im hohen Gras. Aufgepasst: an der ersten Gabelung nach Überqueren des Bächleins rechts/geradeaus halten – siehe Kartenansicht! Nun folgt eine Spurensuche durchs hohe Gras, welche bald in eine etwa 200 Meter lange, steiler werdende und auf losem Untergrund mühsamer werdende Schiebepassage übergeht.

Durchhalten!

Das ist wirklich nur ein kurzes Stück, welches bald in einen (fast) regulär befahrbaren Single-Trail …

Aufgepasst: hier kann man einen gewischt kriegen! 😉

… dann in eine Fahrstrasse mit Naturbelag, schliesslich in eine asphaltierte Fahrstrasse übergeht. Es lohnt sich wirklich, diesen kleinen Preis zu bezahlen!

Am «Muggenboden», auf 1’184 m.ü.M., treffe ich, aus dem «Nirgendwo» kommend, wieder auf die Nationale Mountainbike-Route #2, der ich über Risipass und Schwägalp in dann wieder bekanntem Gelände bis Appenzell folgen werde, wo sich meine Alpstein Umrundung schliessen wird.

Den Aufstieg bis zum Risipass auf asphaltiertem Fahrweg über rund 300 Höhenmeter empfinde ich dann schon als leicht quälend, aber schliesslich ist auch dieses Etappenziel erreicht:

Auf dem Risipass, 1’459 m.ü.M., dem höchsten Punkt meiner Alpsteinumrundung

Im Hintergrund des obigen Bildes sind an der 03:00 Position bereits die Gebäude der Schwägalp zu erkennen. Hier noch die Statistik von Etappe 4:

Statistik über Etappe 4 der Alpsteinumrundung

Etappe 5: Risipass bis Haslen AI

Bevor ich zur Schwägalp komme , muss ich leider noch noch rund 400 Höhenmeter bis Lutertannen @1’030 m.ü.M. absteigen.

Wegpunkt Lutertannen, links von der Bildmitte

Von da aus nach weiteren knapp 400 Metern Anstieg erreiche ich in meinen letzten Anstiegen des Tages die Schwägagalp (und Umfahrung der Chammhalde, auf nochmals knapp 1’400 m.ü.M.).

Ab da geht’s entspannt/rasant bergab auf Waldwegen, vorbei am Restaurant Lehmen, Weissbad und Steinen zurück nach Appenzell.

In Appenzell schliesst sich mein Rundkurs. Da ich an dieser Stelle noch zwei Balken auf dem Akku-Kapazitäts-Display meines E-Bikes sehe, gönne ich mir für die Heimfahrt die maximale Unterstützungsstufe «Turbo», mit bis zu 340% «on-top of» Eigenleistung 😎

An dieser Stelle noch, der Vollständigkeit halber, die Statistik der Etappe 5:

Statistik über Etappe 5 der Alpsteinumrundung

Kollegen aus meinem MTB-Club RMC Appenzell haben mich übrigens nachträglich darauf aufmerksam gemacht, dass man diese Umrundung auch entgegen dem Uhrzeigersinn vornehmen kann (eigentlich logisch …). Instinktiv hatte mich aber bei meinem ersten Anlauf der ununterbrochene Anstieg aus dem Rheintal bei rund 400 m.ü.M. über rund 800 Höhenmeter Aufstieg bis Ruschwald auf 1’200 m.ü.M. abgeschreckt. Aber wenn ich erst einmal die Fragen rund um Akku-Kapazität und Reichweite besser verstanden habe, wäre natürlich auch diese Variante eine reizvolle Alternative.

Schau’n wir mal …

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert