Re: Telepolis

Das will auf den ersten Blick nun so garnicht in mein inzwischen breiter gewordenes Themenspektrum passen.

Quelle: https://heise.cloudimg.io/width/1280/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/www-heise-de/imgs/18/3/7/1/9/0/7/9/forum4_ho-f422209d6f9979ca.jpeg

Aber ich sehe eine «innere Kontinuität» zwischen meinem logischen, faktenbasierten und analytischen Vorgehen in meinen technischen Themen in diesem Blog und meiner – inzwischen historischen – Beteiligung an Telepolis seit etwa 2002, und insgesamt mehreren tausend Posts im Telepolis Forum. Verbindendes Elementen ist für mich sowohl in politischen wie in technischen Belangen immer die Frage:»Ist das wirklich so?»

Telepolis ist ein Projekt der Heise Medien GmbH & Co. KG , einem Verlag der sich ursprünglich und nach meinem jahrzehntelangen(!) Eindruck im Umfeld von IT-relevanten Themen einen verdientermaßen sehr respektablen Namen erarbeitet hatte.

Telepolis war dann in der Folge 1996 aus der Taufe gehoben worden als Magazin für «Netzpolitik». Durch sein lange Zeit nur sehr massvoll moderiertes Forum entwickelte es sich bald zu einem Sammelbecken intelligenter und sehr kritischer Geister, die den «Mainstream-Medien» zunehmend misstrauten und diese faktenbasiert widerlegen konnten. Die Diskussionen im Telepolis-Forum waren nach meinem Empfinden meistens wertvoller als die Beiträge auf Telepolis, an denen sich diese Diskussionen entzündeten. Man traf zuverlässig auf in der Regel intelligent vorgetragene andere Meinungen, oft genug mit Quellenangaben (Links) hinterlegt. So hatte man Anlass und Gelegenheit, seinen eigenen Standpunkt weiterzuentwicklen. Meinungspluralismus der besten Art! Das waren die goldenen Jahre von Telepolis.

Dann kam Nine-Eleven und eine kritische Artikelserie von Matthias Bröckers, die sich den offensichtlichen Widersprüchen im offiziellen «Narrativ» widmete. Für Viele eine Art von Erweckung aus ihrem bisherigen politischen Dornröschenschlaf.

Ab 2015 folgte die Flüchtlingskrise, einige Jahre später die Covid-19 Massenpsychose, welche nahtlos in die Ukraine-Krise überging. Und jedesmal wurden Windrichtung und -stärke in Telepolis und seinen Foren spürbar schärfer. Das angeblich «passiv moderierte» Forum wurde zunehmend aktiv moderiert, mit massenhaften und intransparent gehandhabten Beitrags-Sperrungen, bis hin zu Account-Sperrungen. Diesen politisch motivierten Säuberungen fiel letztlich auch ich selbst vor ca. zwei Jahren zum Opfer.

Ich beobachte den weiteren Niedergang von Telepolis seitdem mit kritischem Interesse. Das seitens des Verlags offensichtlich angestrebte Ziel des Austauschs des bis dato kritischen Publikums gegen ein sich geschmeidig in den erlaubten Meinungskorridor einfügendes wurde unbestreitbar erreicht. Leicht erkennbar am heute nahezu völligen Fehlen alteingesessener Forenten aus den Nuller-Jahren mit jeweils mehreren tausend Posts auf dem Konto.

Telepolis versucht seit diesen Säuberungswellen zunehmend krampfhaft, den ursprünglich einmal verdienten Ruf als relevantes Forum kritischer Meinungsäusserung zu retten. Ein Spagat, der nicht gelingen kann: man kann nicht sämtliche Kritiker abstreifen und danach trotzdem von sich behaupten, immer noch «kritisch» zu sein.

Jüngstes Beispiel:

Ein inszeniertes Interview zwischen dem aktuellen Telepolis Chef-Redakteur Harald Neuber und seinem Gegenspieler, Groß-Inquisitor (Chef-Zensor) Kai-Uwe Lassowski, Kürzel «Lakai» (kein Scherz!!). Darin klopfen sich beide gegenseitig auf die Schulter und behaupten, bei Telepolis herrsche eine «offene Diskussionskultur», in der sie «Trollen, Verschwörungstheoretikern und den Verbreitern rechter Parolen» keine Chance geben. Das ist Real-Satire pur, und erinnert an Münchhausen und seine Geschichte, wie er sich selbst an seinem Schopf aus dem Sumpf herauszog. Ähnlich amüsant, und genauso unglaubwürdig.

Man könnte es auch «Pfeifen im Walde» nennen. Mit der Angst vor dem endgültigen Versinken in der Irrelevanz im Nacken. Durch den Rauswurf aller Nonkonformisten mit ihren Ecken und Kanten hat Telepolis seinen Markenkern irreversibel verschleudert. Man kann zwar aus dem Inhalt eines Aquariums eine Fischsuppe zubereiten, aber nicht umgekehrt. So what? Die meisten «Leistungsträger» dürften weitergezogen sein, und ihre intellektuellen Perlen nun vor Publikum zum Besten geben, das dies zu würdigen weiss. Man munkelt, einige von ihnen machten nun sogar ihr eigenes Ding, z.B. einen eigenen Blog, in dem sie selbst das Hausrecht ausüben und sich von keinem «Moderator» das Wort verbieten lassen müssen.


Trotz Allem immer noch lesenswert: einige der Kommentare zum oben verlinkten Interview auf Telepolis:

Das Forum war mal gut. Bis 2015 oder 2016

Entwicklung im Forum seit 2005

Selbstbeweihräucherung nach Gutsherrenart – danke, Telepolis!

4 Gedanken zu „Re: Telepolis“

    1. Hoi Washi,

      danke für Deinen Kommentar und auch die Hintergrundinformation zum Netzwerk von «Lakai». Und sowieso meine Gratulation zum eigenen Blog – das scheint mir der einzige Weg zu sein, sein Rederecht möglichst lange unzensiert in den eigenen Händen zu behalten.

      Durchhalten!

      Beste Grüsse,

      Chris

      1. Vielen Dank und gleichfalls beste Grüsse.

        Die Ehre des verlinkten Blogs kann ich aber nicht für mich in Anspruch nehmen, der gehört dem ehemaligen Heise Forenten Cassiel. Mit ihm habe ich immerhin soviel gemeinsam, dass wir beide als langjährige Nutzer bei Heise der Sperrungswelle zum Opfer gefallen sind, wie z.B. auch hgeiss und sicher hunderte andere.
        https://www.youtube.com/watch?v=OwvqpU74FCw

        Auch interessant zum Thema ist der Artikel im Overton Magazin inkl. Kommentaren, der sich mit den neu eingeführten Disclaimern bei TP befasst.
        https://overton-magazin.de/top-story/telepolis-oder-der-journalismus-fuer-das-betreute-lesen/

        1. Danke für die Erwähnung des Artikels in meinem Blog.
          Ich bin zwischenzeitlich mit diesem auf meinen eigenen Blog umgezogen
          https://wwwahnsinn.abades.dynu.net/
          Diese erwähnte Seite findet sich jetzt unter:
          https://wwwahnsinn.abades.dynu.net/2019/11/20/willkuerliche-leserverachtende-gesinnungszensur-im-heise-forum/

          Ja, ein eigener Blog erschien und scheint mir immer noch die einzige Möglichkeit möglichst zensurfrei und ohne Schere im Kopf seine Meinung frei zu äußern.

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