3 Tage mit der Ural unterwegs

Ursprünglich hatten wir geplant, an ein Ural-Treffen in Österreich zu fahren. Anmeldung bei der Organisation war gemacht, Urlaub beantragt und genehmigt, Hotel war gebucht, unsere Vorfreude war gross. Was würden wir da alles so sehen.

Ural Transsib während Foto-Shooting am Maloja-Pass
„Künstliche“ Schräglage 😂

Aber wie heisst es so schön: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt 😯.

Alles war gepackt und wir waren eigentlich schon auf dem Absprung, da meinte Chris, es sei doch schon irgendwie komisch, dass wir vom Veranstalter immer noch keine Anmeldebestätigung erhalten hätten?!? Ähmm und jetzt? Chris hat kurzerhand schnell gegoogelt und festgestellt, dass die Gespannzeitschrift eine Veranstaltung aus dem Vorjahr irrtümlich erneut beworben hatte. Nach einer Mail an die Zeitschrift, in welcher wir die Veranstaltung gesehen hatten, bekamen wir die Bestätigung, dass dies ein Druckfehler war. Super, und jetzt??

Die Entscheidung war schnell gefällt. Ich hatte schon so viel über den Silsersee gelesen und das wäre doch jetzt die Gelegenheit. Chris stellte ziemlich zackig eine neue Route zusammen und nach einer knappen halben Stunde waren wir bereits unterwegs.

Unsere Standard-Anreise ab Schaffhausen in Richtung Süden

Gemütlich kurvten wir durch zunächst noch bekanntes Gelände Richtung Bündnerland. Bei solchem Wetter konnte man ja nur gute Laune haben. Nach einer guten Stunde „bretterten“ wir in Bütschwil ein und ich sah ein hübsches Cafe, das war der Moment um eine „Znünipause“ einzuschalten ☺️.

Frisch gestärkt ging es durchs Toggenburg, hinab ins Rheintal und über Chur und Lenzerheide weiter Richtung Julierpass. Da wir unter der Woche unterwegs waren hielt sich auch der Verkehr in Grenzen. Kein Stress, einfach nur „cruisen“. Ich will mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich während unserer Grand Tour of Switzerland vor drei Jahren hinten auf der Ducati gelitten hatte, wie ist es doch herrlich im Seitenwagen, man kann die Aussicht geniessen, nicht immer denken, liege ich richtig in die Kurve oder bin ich wieder ein Hindernis. Auch knallt man beim Lastwechsel nicht immer wieder mit dem Helm an den Fahrer weil „frau“ am gucken ist. Einfach alles total entspannt.

Im Laufe des Nachmittags kommen wir auf der Julier-Passhöhe an. Nach einem kühlen Getränk macht ein netter Biker noch ein Foto von uns.

Autorin mit Redaktor und Pilot auf der Julierpasshöhe
Selbstsprechend 😊

Nun geht es flott weiter Richtung Silvaplaner- und Silsersee. Ich bin ja so gespannt auf den viel beschriebenen Silsersee. Viele Berichte hatte ich schon darüber gelesen, es aber bis dahin noch nie in diese Ecke der Schweiz geschafft und es ist, wie sagt man so schön, wirklich eine Reise wert.

Windsurfen Weltcup-Lauf auf dem Silvaplanersee
Zuerst kommen wir am Silvaplanersee vorbei – passend zu einem Windsurfer Weltcup Lauf

Angekommen, machen wir natürlich einen Stop. Gerade ist eine Competition der Windsurfer im Gange. Der See ist gekräuselt und es geht ein ziemlicher Wind, was den Surfern ein beeindruckendes Tempo verleiht. Der Wind ist aber auch ziemlich kühl und so brechen wir bald wieder auf. Der Nachmittag neigt sich langsam dem Abend zu und wir wollen uns noch eine gemütliche Übernachtungsgelegenheit suchen.

In spektakulären Serpentinen schlängelten wir uns den Malojapass hinunter Richtung Bergell. Kurz vor Vicosoprano fanden wir ein hübsches kleines Hotel, die Albergo Pranzaira. Nach dem Zimmerbezug liessen wir uns auf der stimmigen Gartenterrasse nieder und genossen den Abend.

In der Nacht gab es kräftige Gewitter und es goss ziemlich heftig. Wie würde unsere Ural uns am Morgen erwarten?

Ural Transsib nach einer Regennnacht im Freien
Pitschnass!

Chris war intensiv mit Trocknen und Auswringen der Wischlappen beschäftigt, vor allem im Seitenwagen hatte sich doch einiges Wasser gesammelt. Zum Glück war es ein strahlender Morgen und die Kühle konnte unsere gute Laune nicht im Geringsten trüben.

Die weitere Fahrt führte uns auch an Bondo vorbei. Viel hatten wir über den Bergsturz und die anschliessende Schlamm- und Gerölllawine gelesen und natürlich auch in den Tagesnachrichten gesehen. Es wäre eine schöne Gegend um sich umzusehen, aber irgendwie fanden wir es ein bisschen schräg, die Leute hatten genug Probleme und vom Katastrophen-Tourismus halten wir beide nicht viel. Wir würden uns dieses Tal aber auf der To-do-Liste für später merken. Es soll hier auch sehr viele schöne Wanderungen geben, wir kommen sicher wieder!!

In Chiavenna IT erreichen wir mit 325 m.ü.Meer den tiefsten Punkt unserer kleinen Reise, und wenden uns wieder nach Norden, in Richtung Schweiz. Wir waren ja so gespannt auf die Strecke Richtung Splügenpass. Auf der italienischen Seite hatten wir auf unserer „Grand Tour of Switzerland“ vor drei jähren mit der Ducati die haarsträubenden Nadelkurven in den unbeleuchteten Galerien und Tunnels kennen und fürchten gelernt. Eng, dass kaum zwei PW’s Platz haben, unbeleuchtet, echte Spitzkehren, schon ein bisschen krass.

Auch diesmal war es für Chris schon ziemlich anstrengend mit dem Gespann, aber halt doch sehr viel entspannter als vor drei Jahren mit der Ducati, mit Sozia und viel Gepäck und einem drohenden Gewitter im Nacken. Auch für mich war es halb so nervenkitzelnd und ich konnte es diesmal sogar richtig geniessen.

Nach der anstrengenden Kurverei genehmigten wir uns – zurück in der Schweiz – in Splügen ein kleines Znüni auf der Aussenterrasse des Hotel Suretta.

Pause im Hotel Suretta

Weiter ging es dann über den San Bernardino Pass, allerdings auf den Nebenstrassen, also nix mit Autostrasse. Chris hatte ganz schön zu tun 😉. Nach dieser intensiven Fahrt – inzwischen im Tessin – machte sich dann aber doch ein leises Hüngerchen bemerkbar und wir beschlossen uns ein Grotto zu suchen. Die kleine Hinweistafel Grotto Lino in Biasca sprach uns an und die Wahl war gar nicht schlecht. Ausser einheimischen Autonummern war nichts zu sehen und das ist ja immer ein gutes Zeichen.

Nach einem ausgezeichneten Mittagessen drängte Chris auf die Weiterfahrt. Das Wetter hatte sich zunehmend verschlechtert und wir wussten nicht wie es sich weiterentwickeln würde. Wir hatten ja noch die Überquerung des Alpenhauptkamms vor uns, auf dem Weg in Richtung Berner Oberland.

Ich fand die Auffahrt zum Gotthardpass über die alte Tremola den absoluten Hit. Seit meiner Kindheit war ich nie mehr über diese Strasse gefahren. Einfach toll und das Wetter spielte immer noch mit. Unser Ural „Transsib“ Gespann passte auch stilistisch ganz ausgezeichnet zu dieser historischen Art der Fortbewegung, wie uns die wohlwollenden Blicke und auf uns gerichteten Fotoapparate der übrigen Reisenden immer wieder signalisierten.

Furka und Grimsel verlangten auch nochmals vollen Körpereinsatz von Chris und die Wolken fingen langsam an sich aufzutürmen. Während der Furka-Passage gerieten wir bereits in ersten Nieselregen. Jenseits der Grimsel-Passhöhe begannen wir eine Unterkunft zu suchen, aber schon klar, immer wenn es anfängt zu drängen, sind die Karten nicht so gut. Ueberall war ausgebucht 😞 und das Wetter wurde zunehmends ungemütlicher.

In Innertkirchen ging es dann richtig los, der Wind brauste durch die Gegend, die Beizer brachten notfallmäßig Schirme und Gartenmöbel in Sicherheit, und ich machte mich aufgrund eines Tips im Laufschritt zu Fuss auf die Piste. Glück gehabt, ich erwischte gerade noch das letzte Zimmer im Hotel Alpenrose. Das grosse Plus war, wir konnten auch das Gespann in einen trockenen Unterstand stellen. Das freute uns natürlich umso mehr nachdem wir dann ein paar Minuten später aus der Sicherheit eines trockenen Zimmers miterlebten, wie der Himmel seine Schleusen öffnete.

Auf dem Nachbardach konnten wir zusehen, wie das Wasser in Strömen runter prasselte. Urgewalt pur. Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wie das gewesen wäre, wenn wir noch in unserem „Cabrio“ unterwegs gewesen wären. Nach einem kleinen Getränk gingen wir zu Bett. Es war ein anstrengender Tag gewesen.

Am nächsten Morgen regnete es zwar nicht mehr aber das Wetter war grau und auch die Temperaturen waren eher im unangenehm kühlen Bereich. Also beschlossen wir nicht mehr viel Zeit zu verlieren sondern auf dem mehr oder weniger direkten Weg nach Hause zu fahren.

Ich hatte ja immer so vom Schallenbergpass geschwärmt, dass dies so eine schöne Strecke sei… tja aber eben auch nur, wenn das Wetter mitspielt. Ziemlich ausgekühlt haben wir uns dann auf der Schallenberg-Passhöhe noch eine „heissi Schoggi“ reingezogen und dann ging es aber wirklich auf dem direkten Weg nach Hause.

Über alles gesehen war es eine tolle Tour und man hätte schon da oder dort noch ein bisschen bleiben können. Wir merken uns das auf jeden Fall für die Zukunft, wenn wir dann mehr Zeit zur Verfügung haben.

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