In 4 Tagen von Grafenort zur Grimsel

Irgendwo hatte ich die sogenannte Sbrinz-Route gesehen und war davon fasziniert. Könnte ich doch zusammen mit Ginger machen. Die Route endet aber in Italien und man weiss inzwischen, dass es mit Hunden teilweise, Maulkorb – Leinenzwang- Restaurantbesuche, eher mühsam ist. Da dies auch unsere erste lange Wanderung alleine sein würde, beschloss ich diese auf der Grimsel zu beenden. Gesagt, getan. Vorbereitung war angesagt: Garmin mit Weg aufbereiten, Rucksackpackung planen, was brauche ich alles für den Hund.

Trotz meiner Bedenken war die Zugfahrt mit sämtlichen Umstiegen überhaupt kein Problem. Ginger benahm sich vorbildlich, was mit dem Riesenrucksack auch wirklich wichtig war. Ich war mir diese 10 kg am Rücken wahrlich nicht gewohnt und am Anfang beim ein- und aussteigen schon ein bisschen damit behindert. Ich habe mich aber sehr schnell daran gewöhnt.

Wer kommt denn da??

Die Zugfahrt war somit kein Problem, ausser dass der Zug propenvoll mit Touristen war, die alle in die Zentralschweiz wollten :-)). Da wir aber zwei Flinke waren, konnten wir uns immer einen guten Platz sichern und Ginger hat die Bewunderung der fremden Leute sichtbar genossen

Die erste Etappe startete bei Grafenort und endete in Engelberg. Die Wanderung ging dem Aabach entlang und war wunderschön. Ein intensives Training über die verschiedensten Brücken, war für Ginger eine Kleinigkeit. Die vielen Verrücktheiten, welche wir in der Vergangenheit gemacht hatten, zahlten sich aus. Es waren an die zehn Hängebrücken, ganz schön viel.

Nach rund drei Stunden sind wir in unserem kleinen Berghotel in Engelberg angekommen und haben den Abend, nach einer schönen Dusche und einem kleinen Nachtessen, sehr zufrieden ausklingen lassen, im Bewusstsein, dass der morgige Tag nicht ganz so einfach sein würde. 1’200 Höhenmeter waren angesagt, hatte ich bis dahin noch nie gemacht und schon gar nicht mit einem so schweren Rucksack.

Nach einem schönen Frühstück ging es dann bei herrlichem Wetter um 8:00 Uhr los. Ich hatte gerade hinter dem Hotel einen Weg entdeckt, der mit einer halben Stunde weniger nach Trübsee ausgeschildert war. Na ja, wie es die kürzeren Wege so an sich haben, sind sie auch steiler, die Höhenmeter müssen ja trotzdem gemacht werden. Zum Glück war der Teil der Wanderung mehrheitlich im Schatten.

Ihr könnt mir glauben, ich habe geschwitzt wie ein Bär und dann noch mit den 10 kg am Rücken, das war nicht ohne. Die Schlüsselstelle sieht man auf der Foto, kurz nach der grossen Wiese steigt man in das Waldstück ein, da geht’s dann hoch zum Hotel, zeitweise ziemlich steil.

Aber wie heisst es so schön, der Weg ist das Ziel und wenn ich dann allzu fest am „hecheln“ war, habe ich mir eine kleine Pause gegönnt und Schritt für Schritt sind wir unserem Ziel näher gekommen. Es war schon lässig, als wir dann auf der Terrasse sassen und der Titlis in voller Pracht so vor uns stand, einfach Hammer!!! Und nicht mit der Bahn, sondern mit eigener Kraft hochgestapft.

Und mein lieber Mann hatte scheinbar im richtigen Moment auf die Webcam von Trübsee geschaut. Big Brother is watching you ;-)). Ginger genoss ein Würstchen aus der Küche, welches der Küchenchef himself extra für sie organisierte!!

Dann ging es weiter Richtung Jochpass. Puhhh, alles an der glühenden Sonne. Obwohl wir doch schon ziemlich hoch waren, liess die gefühlte Hitze kein bisschen nach. Ginger war beschäftigt mt Kühe wegbellen, da sie einfach kein Lust hatten, den Weg freizugeben. Keine Angst, sie war an der Leine, aber ich war schon froh, Kühe sind nicht so mein Ding, bei mir senken sie regelmässig die Köpfe. Warum? Keine Ahnung, vielleicht habe ich keine kuhfreundliche Ausstrahlung ;-)).

Irgendwann war dann aber „kuhfreie“ Zone und wir konnten in aller Ruhe weitermarschieren. Der Schweiss rann in Strömen :-)). Auf dem Jochpass angekommen, ware wir vermutlich beide ein bisschen k.o. Doch wir hatten 1’200 Höhenmeter geschafft und da war ich schon ein bisschen stolz drauf.

Mit einem Birchrmüesli gestärkt, ging es weiter zur Engstlenalp, jetzt wieder 300 m runter. Immer noch alles an der prallen Sonne, aber runter läuft es sich ja leichter. Trotzdem, der Rucksack wurde gefühlt immer schwerer.

Der Weg zur Engstlenalp hat sich sehr lange gezogen. Ginger wäre zu gerne ins Wasser, doch der See war einfach zu weit weg und ich hatte nicht mehr die Energie, eine Extraschlaufe einzulegen :-((.

Im Hotel angekommen, schnell den Hund verpflegen und dann ab unter die Dusche. Wau, was für eine Wohltat, ich fühlte mich gleich viel besser. Ginger war auf jeden Fall auch platt und wollte nur noch schlafen.

Leider war mein Schlaf nicht so erquicklich. Wie das historische Häuser so an sich haben, sind sie nicht ganz so gut isoliert und man hört buchstäblich den Nachbarn schnarchen :-)).

Die nächste Etappe führte nach Innertkirchen, die ganzen erkämpften Höhenmeter wieder runter :-((. Um nicht wieder der ärgsten Hitze ausgeliefert zu sein starteten wir schon kurz nach 07:00 Uhr.

Ich dachte, das wird ein geruhsamer Morgen. Falsch gedacht. Da standen auf ein Mal viele junge Rinder herum und da es frühmorgens war, waren sie noch entsprechend fit und wurden ziemlich zudringlich. Ich hätte schreien können, sie fanden es ziemlich lustig. Alles brüllen von mir und bellen von Ginger, schien sie nicht zu beeindrucken, im Gegenteil. Sie waren der festen Überzeugung, dass sie uns noch ein bisschen des Weges begleiten müssten. Ursula & Ginger mit einem Tross junger Rinder. Hilfe, das hätte eine Foto gegeben!! Glücklicherweise wurde es ihnen dann irgendwann doch zu fad und sie sind stehen geblieben. Mein Bedarf für Abenteuer war für heute gedeckt.

Nach 4 1/2 Stunden sind wir in Innertkirchen angekommen. Glühende Mittagshitze. Wir sind jetzt wieder auf plus/minus 500 Höhenmetern, entsprechend die Hitze. Jetzt ist erst mal Pause angesagt. Wurst-/Käsesalat für mich, Servelat für Ginger.

Als wir dann wieder auf dem Weg waren, habe ich dummerweise nicht auf mein Garmin gehört und bin auf den «alten Säumerpfad» eingebogen, mit dem Resultat, dass wir irgendwann im Nirwana landeten. Kein Weg führte weiter. Da war schon eine Stunde um, also das Ganze wieder zurück.

Der richtige Weg nach Guttannen startete an der Strasse, wir waren beide ziemlich fertig, vor allem wegen der Hitze. Das wären nochmals 2 1/2 Stunden mit 300 Höhenmetern aufwärts gewesen. Da habe ich kurzum den Entschluss gefasst, Innertkirchen – Guttannen machen wir mit dem Postauto. Wir müssen niemandem etwas beweisen.

Klaro, hat es mich gewurmt, aber was soll’s? tempi passati! Wir hatten morgen zum Grimselhospiz nochmals 1’200 Höhenmeter vor uns und man soll seine Kräfte einteilen ;-)). Das Postauto hat direkt vor dem Hotel gehalten und so war die Entspannung nicht mehr weit :-)). Duschen, essen und dann ab ins Körbchen.

In der Nacht hatte es ein heftiges Gewitter gegeben, was natürlich auch eine herrliche Abkühlung brachte. Der Morgen erstrahlte jedoch wieder in voller Pracht.

Nach einem tiefen, erholsamen Schlaf ging es schon sehr früh zum Frühstück. Wieder voll fit und motiviert nahmen wir die letzte Etappe in Angriff.

Obwohl alles ziemlich nahe bei der Grimselstrasse war, ist der Wanderweg sehr gut geführt und bis zur Handegg folgte ich dem schönen Wanderweg durch den Wald. Einmal mussten wir die Strasse überqueren, aber das war es dann auch.

Es war einfach herrlich und wir sind entsprechend gut vorangekommen. Da sich die 1’200 m auf gut sechs Stunden verteilen, ist es auch nicht so steil.

Je mehr wir Richtung Stauseen kommen, je karger wird es. Es hat zwar noch Büsche, aber die Gesteine sehen zum Teil wie eine alte Mondlandschaft aus.

Und schon ist der (erste) Staudamm in Sicht, aber das täuscht, dahinter geht es noch ein ganzes Stück weiter bis derjenige vom Hospiz kommt.

Kurz vor der Ankunft werden wir aber nochmals so richtig gefordert. An der Staumauer geht eine Treppe hoch zum Hospiz. Hilfe, Zähne zusammenbeissen und Stufe für Stufe geht es hoch…

… und jupiii, wir haben es geschafft!!

Das Gefühl kann man nicht beschreiben: Wir haben es geschafft und zwar ohne Zwischenfälle. Einchecken im Hotel, niemand schaut komisch, wir sahen ja ziemlich verschwitzt und verdreckt aus, das wurde alles ganz gekonnt übersehen :-)).

Auf dem Zimmer liegt schon eine schöne, kuschelige Decke und ein Napf für Ginger bereit. Nach einer megalangen Dusche ging es gar nicht so lange und mein Lieblingsmann ist auch im Hospiz eingetroffen, allerdings mit Auto ;-)).

Bei einem feinen Nachtessen und einem guten Glas Wein wurde dieses Erlebnis ausgiebig gefeiert und es gab ja so viel zu erzählen.

Technische Daten: 2’925 Höhenmeter / 59 km / 20 h reine Wanderzeit

Fazit: Es war herrlich, manchmal ein bisschen an die Grenzen gestossen, Super-Wetter, Ginger schaffte es auch problemlos. Ich möchte unbedingt noch andere solche Touren machen, wenn es geht, natürlich mit meinem Mann.

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