{"id":3117,"date":"2019-12-17T13:44:18","date_gmt":"2019-12-17T12:44:18","guid":{"rendered":"https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/?p=3117"},"modified":"2026-01-25T06:15:54","modified_gmt":"2026-01-25T05:15:54","slug":"geht-garnicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/?p=3117","title":{"rendered":"Geht garnicht!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-light-gray-background-color has-background\"><strong>Hinweis<\/strong>: dieser Beitrag war bis zum 21.09.2025 passwortgesch\u00fctzt und somit nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-yellow-background-color has-background\"><strong>Hinweis<\/strong>: <em>Das Copyright der in diesem Blogbeitrag verwendeten Produktfots liegt beim Anbieter dieser Artikel, der zu dessen eigenem Schutz hier nicht genannt wird, jedoch bei berechtigtem Interesse auf Anfrage mitgeteilt werden kann. An dieser Stelle noch der wiederholte Hinweis, dass dieser Blog keinerlei kommerzielle Interessen verfolgt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Neulich habe ich mir im zarten Alter von 62 Jahren nach weit mehr als dreissig Jahren im Berufsleben meine erste fristlose K\u00fcndigung eines Arbeitsverh\u00e4ltnisses eingefangen. Und das kam so:<\/p>\n\n\n\n<p>Anfangs 2019 lag ich eines abends auf der Couch, w\u00e4hrend irgendeine Krimi-Serie im Fernsehen lief, und studierte beil\u00e4ufig die Job-Angebote in der Umgebung. Meine Aufmerksamkeit blieb h\u00e4ngen an einer Online-Stellenanzeige einer bekannten, international agierenden Baumarkt-Kette. Sie suchten &#171;f\u00fcr den Neuaufbau(!) ihrer Web-Pr\u00e4senz&#187; einen Mitarbeiter\/Mitarbeiterin mit Ausbildung in Kommunikation \/ Kommunikationswissenschaften, was ich nat\u00fcrlich als Dipl.-Ing. Maschinenbau \u00fcberhaupt nicht bin. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber da ich ein Faible f\u00fcr die Vermittlung von Know-How habe, auf neu-deutsch auch &#171;Know-How Transfer&#187; oder &#171;Technische Dokumentation&#187; genannt, und wegen meiner Bastel-Leidenschaft und damit einhergehenden regelm\u00e4\u00dfigen Material- und Werkzeug-K\u00e4ufen eine ausgepr\u00e4gte Affinit\u00e4t zu Baum\u00e4rkten habe, war mein Interesse geweckt. Ich steuerte die hilfsbed\u00fcrftige Webseite an, und fand mit wenigen Klicks einen bunten Strau\u00df von Stilbl\u00fcten, haarstr\u00e4ubenden sachlichen Fehlern, inhaltlichen Widerspr\u00fcchen und willk\u00fcrlich abgeschnittenen Texten.<\/p>\n\n\n\n<p>Also schrieb ich eine selbstbewusst-bis-freche Bewerbung. Tenor:<\/p>\n\n\n\n<p>&#171;Ich sehe, da\u00df Sie ein Problem haben. Dessen Ursache liegt aber nicht dort, wo Sie sie anscheinend vermuten, im kommunikativen Bereich, sondern wesentlich tiefer. Und ich bin derjenige, der Ihnen bei der L\u00f6sung helfen kann&#187;. Zusammen mit Links auf die zitierten Stilbl\u00fcten schickte ich diese Bewerbung ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald wurde ich eingeladen, und der CEO, welcher sp\u00e4ter zum Vorstellungsgespr\u00e4ch hinzugerufen wurde, erw\u00e4hnte mir gegen\u00fcber, da\u00df er, als ihm mein Dossier auf den Tisch gelegt wurde, zu seinen Mitarbeitern\/Mitarbeiterinnen gesagt habe: &#171;<strong>Der Mann traut sich was<\/strong>!&#187;. Und, da er von Hause aus Jurist war und dann gesehen habe, da\u00df ich f\u00fcr meine forschen Statements auch die n\u00f6tigen Belege beigef\u00fcgt hatte, er zu seinen MitarbeiterInnen gesagt habe: &#171;<strong>Der Mann hat recht<\/strong>! Es ist sogar noch schlimmer!&#187;<\/p>\n\n\n\n<p>Das brachte mir die Rolle des Wunschkandidaten ein, und wir wurden uns bald einig. Ich muss diese Vorgeschichte &#8211; die Anbahnung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses &#8211; so detailliert beschreiben, damit man das nun Folgende angemessen einordnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu meinen Aufgaben im neuen Job geh\u00f6rte die sogenannte Produktveredelung, d.h., die Anreicherung der bisher nur unter kommerziellen Aspekten erfassten Artikel oder Neulistungen im Sortiment des Baumarkts sowohl mit vollst\u00e4ndigen, korrekten und widerspruchsfreien technischen Daten, als auch mit einer textlichen Artikelbeschreibung zwecks Pr\u00e4sentation dieser Artikel im Web-Katalog des Baumarkts. Einen Web-Katalog kann man sich \u00e4hnlich wie einen Web-Shop vorstellen, lediglich ohne Warenkorb- und Kauf-Funktionalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Informationen f\u00fcr diese Produktveredelung erh\u00e4lt das PCM-Team (<strong>P<\/strong>roduct <strong>C<\/strong>atalog <strong>M<\/strong>anagement), in dem ich fortan angesiedelt war, aufgrund einer strukturierten Anfrage an den Lieferanten, durch Austausch von speziell pr\u00e4parierten Dateien, welche der Lieferant ausgef\u00fcllt ans PCM-Team zu retournieren hat. Zu den angefragten Daten geh\u00f6ren unter Anderem auch solche textlicher Art, insbesondere eine <strong>Artikelbeschreibung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider sind die von Lieferanten zur\u00fcckgelieferten Daten von sehr inhomogener Qualit\u00e4t. Es gibt diesbez\u00fcglich sehr gute Lieferanten, und andere, die sich entweder sehr schwer tun, oder gleich v\u00f6llig lustlos und lediglich l\u00fcckenhaft ihre vertraglich vereinbarte Pflicht erf\u00fcllen. Hinzu kommen Baumarkt-eigene, interne Anforderungen an die Textqualit\u00e4t, speziell in Hinblick auf Mindest- und H\u00f6chstl\u00e4nge, sowie deren &#171;Originalit\u00e4t&#187;. Mein Arbeitgeber, wie vermutlich jeder Online Anbieter von Waren und Dienstleistungen, legt n\u00e4mlich Wert darauf, bei Internet-Suchen der Kunden m\u00f6glichst <strong>auf der ersten Seite<\/strong> der Suchergebnisse z.B. von Google platziert zu werden. Hier kommt nun <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"SEO (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Suchmaschinenoptimierung#Google\" target=\"_blank\">SEO<\/a> ins Spiel, die Suchmaschinenoptimierung, bzw. die Optimierung von Texten derart, da\u00df sie von Google m\u00f6glichst hoch gerankt werden, also einen Platz auf der begehrten ersten Seite der Suchergebnisse ergattern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regeln, nach denen Google die Rang- und Reihenfolge der Suchergebnisse ermittelt, sind Gesch\u00e4ftsgeheimnis von Google, und nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich. Durch Beobachtung (Reverse Engineering) gilt aber als gesichert, das Google &#171;Duplicate Content&#187;bestraft, also die schlichte Kopie von bereits erfolgreichem Content im Ranking herabstuft. Weiterhin gab (und gibt) es die vermutlich berechtigte Annahme, da\u00df ein Lieferant <strong>alle<\/strong> seine Distributoren mit <strong>identischen<\/strong> Texten beliefert. Also gab es die interne Vorgabe bei meinem Arbeitgeber, die vom Lieferanten erhaltene Artikelbeschreibung zumindest umzuformulieren, wenn nicht gar gleich v\u00f6llig neu zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der zweite Baustein, welcher zum Verst\u00e4ndnis des Folgenden wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages lag ein Schwung von rund siebzig Artikeln eines Leuchtmittel- und Leuchten-Lieferanten zur Veredelung auf meinem Tisch. Fachlich sind Leuchtmittel mein Spezialgebiet, doch einige der zu vermarktenden Leuchten brachten mich stilistisch an meine Grenzen. Z.B. dieses formsch\u00f6ne Modell:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.eglo.com\/media\/catalog\/product\/cache\/afbf8cb4b2ec9a061ef5ecd4eb9e66cf\/dam\/100\/98284_100_00_V03.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p> Was schreibt man Wahrheitsgetreues, Wohlwollendes und Originelles(!) \u00fcber eine Leuchte, die derart nackt und detailarm ist wie diese, und die, anders als abgebildet, zu allem \u00dcberfluss auch noch ohne Leuchtmittel angeboten wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe lange \u00fcberlegt. Man k\u00f6nnte defensiv agieren, sich quasi entschuldigen daf\u00fcr, da\u00df diese Leuchte so gar nichts an sich hat, mit der sie \u00fcberzeugen k\u00f6nnte, ausser ihrem Preis von etwa CHF 35,-, was f\u00fcr Schweizer Verh\u00e4ltnisse das Low-budget Segment markiert.  Alt-Zyniker Harald Schmidt h\u00e4tte vermutlich von einer &#171;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Unterschichten (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unterschichtenfernsehen\" target=\"_blank\">Unterschichten<\/a>-Leuchte&#187; gesprochen. Soweit wollte ich dann doch nicht gehen. Also nochmals genau hingeschaut:<\/p>\n\n\n\n<p>Das schmale Lederb\u00e4ndchen erschien mir wie ein zarter Ansatzpunkt. Bildet es doch nach meinem Empfinden das funktionale \u00c4quivalent eines String-Tangas, und soll die \u00e4u\u00dferste Entbl\u00f6\u00dfung notd\u00fcrftig kaschieren. Soviel Schamgef\u00fchl hatte der &#171;Designer&#187; dieser Leuchte anscheinend dann doch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich entschied mich f\u00fcr ein offensives Vorgehen: die Detail-Armut ist demnach nicht dem Rotstift geschuldet. Dies ist keine Leuchte f\u00fcr finanziell Minderbemittelte, sondern ihr Design folgt einem gewollten Stil und soll K\u00e4ufer ansprechen, denen es nicht schlicht genug sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>So sah dann meine Artikelbeschreibung aus:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-bright-blue-color has-text-color\"><em>$Name &#8211; die Design-Tischleuchte f\u00fcr Puristen! Noch weniger Leuchte w\u00e4re fast schon sittenwidrig. Diese Tischleuchte \u00fcberzeugt mit ihrem konsequent zur Schau gestellten Minimalismus. Ein lichtgrau gepulverter Stahlgalgen, an dem von einem Lederband eine E27 Fassung baumelt. Absolut stilsicher wird sie ohne Leuchtmittel ausgeliefert, damit Sie aus der vollen Auswahl aus dem umfangreichen Sortiment kompatibler E27 Leuchtmittel sch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Machen Sie die $Name dimmbar, in der Farbe ver\u00e4nderbar, per App oder sogar per Sprachbefehl steuerbar. Komplettieren Sie sich ihre pers\u00f6nliche $Name so, wie es zu Ihren Bed\u00fcrfnissen passt!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde diesen Text auch heute noch richtig gut. OK, inzwischen ist mir zwar bewusst geworden, da\u00df ein Jurist beim Lesen des Worts &#171;sittenwidrig&#187; zusammenzucken wird. Das ist eindeutig die Schwachstelle dieses Textes, und ich w\u00fcrde heute ein anderes Wort w\u00e4hlen. Zum Ausdruck bringen wollte ich, da\u00df bei Wegnahme irgendeines Details diese Leuchte vermutlich nicht mehr zur Vermarktung zugelassen worden w\u00e4re. Gleich einem Motorrad, an dem man auch nicht z.B. die Blinker oder den Auspuff abmontieren darf ohne die Zulassung zu verlieren. Zweitens habe ich diese Leuchte als neutrale <strong>Plattform<\/strong> positioniert, die jeder Kunde nach seinen Bed\u00fcrfnissen <strong>personalisieren<\/strong> kann. Also einen Mangel (kein Leuchtmittel) als gewollten Vorteil (freie Auswahl!) dargestellt. Da bin ich auch heute noch absolut im Reinen mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zum schwierigen Kandidaten Nr.2:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.eglo.com\/media\/catalog\/product\/cache\/afbf8cb4b2ec9a061ef5ecd4eb9e66cf\/dam\/100\/43047_100_00_V05.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich glaube, da\u00df es nur wenig Phantasie bedarf, um hier die \u00c4hnlichkeit mit einer Konservendose zu erkennen. Da der Baumarkt keine echten Design-Leuchten mit Preisschildern im vierstelligen Bereich anbietet, und auch die obige Leuchte die CHF 50,- Marke nicht knackt, entschloss ich mich, das gro\u00dfe Segment der Heimwerker und Bastler unter den Baumarkt-Kunden bevorzugt anzusprechen. Dies war mein Textvorschlag:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-bright-blue-color has-text-color\"><em>Wir basteln uns eine Design-Tischleuchte aus einer Konservendose: den ausgeschnittenen Deckel nehmen wir als Leuchtenfuss. Zwei Leisten haben Sie sicher noch irgendwo herumliegen, sonst schauen Sie einfach noch bei <\/em><strong>$Baumarkt<\/strong><em> vorbei deswegen. Wer zwei linke H\u00e4nde hat, kann auch die fertig montierte Design-Tischleuchte <\/em><strong>$Leuchte<\/strong><em> kaufen. Dann bestehen der Lampenschirm und -Fuss sogar aus aussen schwarz und innen weiss pulverbeschichtetem Stahl. Eine E27 Fassung ist dann auch schon fix und fertig montiert,&nbsp; und ein Kabelschalter in der Zuleitung ist ebenfalls dabei. Also fast so sch\u00f6n wie selbstgemacht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-bright-blue-color has-text-color\"><em>Die Auslieferung der <\/em><strong>$Leuchte<\/strong><em> erfolgt ohne Leuchtmittel, was Ihnen die volle Auswahl aus dem Sortiment kompatibler Leuchtmittel erm\u00f6glicht.<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, das spricht f\u00fcr sich und bedarf keiner weiteren Erl\u00e4uterung.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich gab es noch den speziell schwierigen Kandidaten Nr. 3:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.eglo.com\/media\/catalog\/product\/cache\/afbf8cb4b2ec9a061ef5ecd4eb9e66cf\/dam\/100\/43136_100_00_V02.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als Ingenieur fiel mir hier besonders die \u00fcberschaubar komplexe Konstruktion auf, die zwar nach meinem Eindruck kaum die initiale Ressourcenverschwendung bei der Produktion dieser Leuchte rechtfertigt, daf\u00fcr aber in der Zweitverwertung  &#8211; dem Recycling &#8211; H\u00f6chstpunktzahl erreicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Motto: &#171;Sieht zwar Scheisse aus, l\u00e4sst sich aber erstklassig entsorgen&#187;.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne diese Leuchte in der Hand gehalten zu haben bin ich n\u00e4mlich \u00fcberzeugt davon, da\u00df sich diese nach Ende ihrer Lebensdauer unter Einsatz einer \u00fcblichen Haushaltsschere sortenrein in die drei Wertstoff-Fraktionen: Metall, Holz (unbehandelt) und Elektroschrott trennen l\u00e4sst. Das ist das Eine.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann diese neckische Umwicklung des Holzstabs mit dem Kabel: Der Ingenieur in mir sieht: Ein Leiter in mehreren Windungen aufgewickelt &#8211; das ist eine <strong><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Spule (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spule_(Elektrotechnik)\" target=\"_blank\">Spule<\/a><\/strong>! Diese weist eine <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Induktivit\u00e4t (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Induktivit\u00e4t\" target=\"_blank\">Induktivit\u00e4t<\/a> auf, und wenn Strom durch den Leiter fliesst, bildet sich ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Magnetismus#Elektromagnetismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Magnetfeld (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Magnetfeld<\/a>. Der Aufbau des Magnetfelds ben\u00f6tigt Zeit, und begrenzt dadurch den Anstieg der Stromst\u00e4rke. All das ging mir beim Betrachten dieses Details durch den Kopf. Nur: was zum Teufel hat das in einer Tischleuchte verloren?<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann der Drahtk\u00e4fig. Sieht aus wie ein Schutz. Nur, wovor soll er sch\u00fctzen? Er h\u00e4lt weder N\u00e4sse ab, noch schirmt er Licht ab, und vor Ber\u00fchrung sch\u00fctzt er auch nicht. Selbst ein Schutz vor Ersch\u00fctterung (Sturz) scheint mir v\u00f6llig ausgeschlossen. Hier wird also ein Schutz <strong>simuliert<\/strong>, der faktisch nicht gegeben ist. Davor sollte man den potenziellen K\u00e4ufer eigentlich warnen, wenn man seri\u00f6s vorgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses v\u00f6llig gedankenlose und sinnfreie Zusammenw\u00fcrfeln von Versatzst\u00fccken, von deren urspr\u00fcnglichem Zweck der &#171;Designer&#187; dieser Leuchte offensichtlich nicht die geringste Ahnung hatte, erzeugt weder gute Technik, noch gutes Design. Hier liegt ein lupenreiner Fall von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/ottmar-hoerl-karl-marx-figuren-in-trier-a-897785.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Vergartenzwergung  (\u00f6ffnet in einem neuem Tab)\"><strong>Vergartenzwergung<\/strong> <\/a>sowohl der Technik, als auch des Designs vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese \u00dcberlegungen brachten mich auf den folgenden Text:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-bright-blue-color has-text-color\"><em>Diese Tischleuchte der Serie <\/em><strong>$Serie<\/strong><em> \u00fcberzeugt durch ihre bemerkenswert Ressourcen-schonende Kombination aus Holz und Stahl. Das puristische und geradlinige Design der <\/em><strong>$Serie<\/strong><em> wird durch die technisch v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssige Umwicklung des h\u00f6lzernen Vierkantstabs mit dem Versorgungskabel wirkungsvoll durchbrochen. Der Drahtschutzk\u00e4fig um die E27 Fassung d\u00fcrfte allerdings ernsthafter Einwirkung von aussen her keinen wirkungsvollen Schutz entgegensetzen. F\u00fcr Ihren Komfort sorgt immerhin der Kabelschalter. Wird ohne Leuchtmittel ausgeliefert, damit Sie aus dem \u00fcppigen Sortiment kompatibler Leuchtmittel sch\u00f6pfen und so Ihre <\/em><strong>$Serie<\/strong><em> nach Ihrem Geschmack personalisieren k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es geh\u00f6rt zum regul\u00e4ren Arbeitsablauf im PCM-Team, dem Lieferanten nach Abschluss der Veredelung einen Kontrollauszug dessen zu liefern, was zur Ver\u00f6ffentlichung auf der Webseite gedacht ist. Nach dessen Genehmigung (oder Verstreichenlassen der dazu gesetzten Frist) gilt der Content als genehmigt und wird ver\u00f6ffentlicht. Hier geht es vor Allem um Haftungsfragen, zugesicherte Eigenschaften etc..<\/p>\n\n\n\n<p>Was nun folgte, war sowohl v\u00f6llig unerwartet wie mit dem Begriff &#171;dramatisch&#187; nur h\u00f6chst unzureichend beschrieben. Der CEO des Lieferanten pers\u00f6nlich trat einen Ein-Mann-Shitstorm los, wie ich ihn bis dahin noch nicht erlebt hatte. So sah seine email (Auszug) an unsere Einkaufsabteilung aus (Fettdruck und gelbe Hinterlegung stammt vom CEO des Lieferanten, anscheinend war er wirklich sauer):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-light-blue-background-color has-background\">Hallo $Einkauf<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-light-blue-background-color has-background\">Schau dir bitte diese Texte an welche euer Herr $Autor selbst\u00e4ndig erstellt. Das ist eine Sauerei und grenzt an Rufsch\u00e4digung. Wir haben erst ein paar weinige Texte kontrolliert und dabei diese entdeckt. Wir sind sicher es werden noch mehr auftauchen!!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-light-blue-background-color has-background\">Obwohl wir am 05.12.2019 das Gut zu Druck erhalten haben und dies bis am 12.12.2019 best\u00e4tigt werden sollen, sind diese Texte bereits online. Auch im Vorfeld gab es schon sehr unsch\u00f6ne Diskussionen mit Herr $Autor und unserem Innendienst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-light-blue-background-color has-background\">Zudem ist es sehr schwach, dass &#8230;  <\/p>\n\n\n\n<p>(Gek\u00fcrzt, da sich dieser Teil nicht auf mich, sondern andere, anscheinend aufgestaute \u00c4rgernisse zwischen $Lieferant und $Baumarkt bezieht).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-light-blue-background-color has-background\">Diese Rufsch\u00e4digenden Textbausteine sind nicht zul\u00e4ssig und m\u00fcssen umgehend &nbsp;vom Netz genommen werden. Gerne m\u00f6chte ich umgehend mit den Verantwortlichen ein Gespr\u00e4ch f\u00fchren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"851\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-12-18-um-10.19.14-851x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3170\" srcset=\"https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-12-18-um-10.19.14-851x1024.png 851w, https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-12-18-um-10.19.14-249x300.png 249w, https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-12-18-um-10.19.14-768x924.png 768w, https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-12-18-um-10.19.14-1277x1536.png 1277w, https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-12-18-um-10.19.14-1200x1443.png 1200w, https:\/\/vielzutun.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-12-18-um-10.19.14.png 1361w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Gerne h\u00e4tte ich diesem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Lieferanten die folgenden zwei Dinge gesagt, wenn man mir denn Gelegenheit dazu gegeben h\u00e4tte:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Diese Texte richten sich <strong>nicht<\/strong> an den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Lieferanten, sondern an Baumarktkunden welche eine Tischleuchte aus dem <strong>Low-Budget<\/strong> Segment suchen.<\/li>\n\n\n\n<li>h\u00e4tte ich ihm die eher rhetorische Frage gestellt, wer denn wohl den Markennamen mehr besch\u00e4digt: derjenige, der markenzugeh\u00f6rige Produkte wahrheitsgem\u00e4\u00df &#8211; wenn auch pointiert &#8211; beschreibt, oder derjenige, der derartige Produkte \u00fcberhaupt erst ins Markensortiment aufnimmt?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Aber dazu kam es nat\u00fcrlich nicht. In Windeseile, jedenfalls nicht l\u00e4nger als Elektronen ben\u00f6tigen, um sich vom $Einkauf zum $CEO hinauf, und dann von dort \u00fcber $Abteilungsleiterin bis zu mir, $Autor, zur\u00fcckzubewegen, fand diese email ihren Weg auf meinen Schreibtisch. Und schon stand meine $Abteilungsleiterin neben mir, v\u00f6llig kopflos, wie immer, wenn es schwierig wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuchte, sie zu beruhigen. Jawohl, diese Texte sind von mir. Jawohl, die kenne ich, und jawohl, da stehe ich weiterhin zu. Offensichtlich kannte sie nur die Texte aus der email, und nicht die zugeh\u00f6rigen Artikel. W\u00e4hrenddessen steckte der $CEO kurz seinen Kopf durch die T\u00fcre und lie\u00df mehrmals ein vernehmliches &#171;Geht gar nicht&#187; verlauten. Offensichtlich kannte auch er lediglich die Texte, aber nicht die zugeh\u00f6rigen Artikel.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zeitpunkt d\u00e4mmerte mir erstmalig, da\u00df meine kreativen Texte ein Nachspiel haben w\u00fcrden. Um die nun erwartbare, interne Diskussion zu versachlichen, und um der Fairness eine Chance zu geben, schrieb ich an alle voraussichtlich Beteiligten eine rein informative email, ohne Erkl\u00e4rung oder Rechtfertigung, in der ich lediglich je eine Abbildung der betroffenen Artikel, den vom Lieferanten stammenden Textvorschlag und meinen eigenen Textentwurf gegen\u00fcberstellte. Damit sich alle ein Bild davon machen konnten, ob, und falls ja, wieweit ich evtl. daneben gegriffen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das interessierte zu diesem Zeitpunkt allerdings niemanden mehr. Knappe zwei Stunden sp\u00e4ter wurde ich ins B\u00fcro des $CEO zitiert, wo mir dieser m\u00fcndlich, schriftlich und vor zwei beigezogenen Zeugen die fristlose K\u00fcndigung erkl\u00e4rte. Ohne vorherige Aussprache dar\u00fcber, was ich mir denn dabei gedacht habe. Zack-Bumm-Fertig.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen empfing mich bereits ein Kollege der IT-Abteilung, an den ich B\u00fcroschl\u00fcssel, Mitarbeiterausweis, Notebook und Zubeh\u00f6r gegen Quittung retournierte, und das war es dann. Schon speziell, sowas. Mit 62 Jahren bricht da nicht mehr gleich eine Welt zusammen, denn soviel \u00e4ndert sich nicht mehr in meinem Leben. Aber ungerecht fand ich das Ganze schon.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bleibt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der $CEO hat dem CEO des Lieferanten das Menschenopfer gebracht, was er ihm zu schulden glaubte. Das alleine ist schon h\u00f6chst bemerkenswert: da\u00df  Lieferanten ihre Distributoren derart vor sich hertreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der $Baumarkt muss fortan auf Lokomotive und Leuchtturm des PCM-Teams verzichten. Denn die Errungenschaften des PCM-Teams, deren sich die $Abteilungsleiterin gegen\u00fcber der Gesch\u00e4ftsleitung bis dahin rechtfertigend ger\u00fchmt hatte, waren sowohl der Menge als auch der Qualit\u00e4t nach im Wesentlichen auf <strong><em>meinem<\/em><\/strong> Schreibtisch produziert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rest des PCM-Teams, die &#171;Girlies&#187;, wie ich sie liebevoll zu nennen pflegte, drei junge Frauen um die 25, waren geschockt als sie von meiner K\u00fcndigung erfuhren. Meine Prognose f\u00fcr den $CEO:<\/p>\n\n\n\n<p>Aus <strong><em>der<\/em><\/strong> Ecke w\u00fcrde ich in den n\u00e4chsten Jahren weder einen Produktivit\u00e4tsschub, noch einen Kreativit\u00e4tsschub, und schon gar keinen Innovationsschub erwarten. Die werden zuk\u00fcnftig Dienst nach Vorschrift machen, brav ihre jeweils 60 bearbeiteten Artikel pro Woche abliefern, ohne einen \u00fcberpr\u00fcfbaren Qualit\u00e4tsanspruch zu erf\u00fcllen. Also im Prinzip genau so weitermachen, wie die bereits anfangs 2019 vom $Baumarkt  beklagte Ausgangssituation verursacht worden war. Echt eine Schande!<\/p>\n\n\n\n<p>Meine weitere Prognose: Die Welle der Emp\u00f6rung wird nach zwei Tagen vergessen sein. Der $Baumarkt muss aber fortan auf einen \u00e4u\u00dferst motivierten, sehr qualifizierten und extrem preiswert eingekauften Mitarbeiter verzichten. Ich selbst werde es mit 62 nicht einfach haben, eine neue Stelle zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich nenne das: <strong><em>the worst of all worlds<\/em><\/strong>.  F\u00fcr alle Beteiligten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Volksmund hat viele kleine Bezeichnungen f\u00fcr das, was sich hier abgespielt hat:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Perlen vor die S\u00e4ue geworfen<\/li>\n\n\n\n<li>Getroffene Hunde bellen<\/li>\n\n\n\n<li>Der Fisch stinkt vom Kopf her<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Am besten passt meiner Meinung nach noch dieses <a href=\"https:\/\/www.aphorismen.de\/zitat\/66637\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Arabische Sprichwort (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Arabische Sprichwort<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd!<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Woche, nachdem ich per eingeschriebenem Brief meinen Widerspruch gegen die fristlose K\u00fcndigung erkl\u00e4rt hatte, erhielt ich &#8211; ebenfalls per Einschreiben &#8211; eine Aufhebungsvereinbarung, in der die einseitige und fristlose K\u00fcndigung in eine einvernehmliche, fristgerechte Aufl\u00f6sung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses zum 31.01.2020 umgewandelt wurde. Die Konditionen decken sich zu etwa 95% mit meinem per Einschreiben gemachten Vorschlag zur G\u00fcte. Ich habe dem zugestimmt. \u00dcber die Details wurde Stillschweigen vereinbart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: dieser Beitrag war bis zum 21.09.2025 passwortgesch\u00fctzt und somit nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. Hinweis: Das Copyright der in diesem Blogbeitrag verwendeten Produktfots liegt beim Anbieter dieser Artikel, der zu dessen eigenem Schutz hier nicht genannt wird, jedoch bei berechtigtem Interesse auf Anfrage mitgeteilt werden kann. 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