Gespann fahren II

Gestern noch mit Ski und Snowboard aus 3.800 m Höhe talwärts gesaust, heute wieder zu Hause im Klettgau bei 19°C und prallem Sonnenschein – und das bereits am 17.Februar! Derartige Temperaturen so früh im Jahr sind im Grunde schon pervers.

Da habe ich die Zeit (und lang erwartete Gelegenheit) genutzt, der Ural mal ein wenig intensiver auf den Zahn zu fühlen. Direkt unten im Tal gibt es einen großen Parkplatz eines deutschen Industriebetriebs, welcher an Wochenenden regelmäßig von Zweirad-Fahrschulen für Übungen verwandt wird. Da zog es mich hin.

Schon während der Abfahrt durchs Wohngebiet, bei Einhaltung des 30 km/h Limits, gelang mir bei beherzter Schlangenlinienfahrt auf langer, übersichtlicher Geraden, der erste «Lupfer» des Beiwagenrads. Im Grunde erschreckend einfach! Aber da ich gedanklich ohnehin auf Schlangenlinienfahrt eingestellt war, waren diese ersten Lupfer sowohl sehr kurz, als auch gut beherrschbar.

Auf dem Parkplatz habe ich diese Versuche dann ausgebaut, und konnte durch Variation der Geschwindigkeit und/oder des Kurvenradius das «gelupfte» Beiwagenrad bereits ein paar Sekunden in der Luft halten. Eigentlich nicht unüberwindbar schwierig, wenn man beliebig viel Platz zur Verfügung hat. An anderer Stelle dazu mehr.

Das waren die Rechtskurven. Bei denen ist die Kurvengeschwindigkeit offensichtlich durch das Steigen des Beiwagens begrenzt.

Dann nahm ich mir die Linkskurven vor: bei denen habe ich herzhafter am Lenker gezerrt, bis zum hörbaren Schleifen des Vorderrads am Vorderradkotflügel. Zugegeben, ich hab’s darauf angelegt, die Grenze zu finden. Aber daß sich gleich die Gabel verwinden würde, war dann doch etwas ernüchternd.

Dann ein paar ernsthaftere (und grenzwertige) Bremsmanöver:

Spoiler: wenn man die Bremsen einer Monster 1200S gewohnt ist, kann man die Bremsleistung der Ural nur als Enttäuschung bezeichnen. Wobei …

Der Fairness halber: man kann sowohl mit dem Vorderrad als auch mit dem Hinterrad schwarze Striche auf den Asphalt zeichnen. In Zeiten von ABS nochmal eine schöne Erinnerung an alte Zeiten 8-). Mehr kann man von einer Bremse eigentlich nicht erwarten. Da würde auch eine Doppelscheibe vorne nicht entscheidend mehr bringen (?). Die Originalbereifung der Ural ist jedenfalls allem Anschein nach mehr auf Laufleistung denn auf Grip optimiert.

Weitere Einsicht: das Beiwagenrad hat keinen Strich gezeichnet. Dabei hätte ich bei leerem Boot eher ein Überbremsen des Beiwagens erwartet. Die Bremskraftverteilung zwischen Hinterrad und Beiwagen (beide hängen an der Fußbremse) hat offensichtlich noch Potenzial. Werde ich mal mit meinem Händler besprechen.

Stoff für einen weiteren Artikel …

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