Energie sparen im Advent?

Der Advent hat in diesem Jahr früh angefangen. Also habe ich in der vergangenen Woche unsere Lichterkette montiert. 😎

Unser Haus-Eingangsbereich im Jahr 2021

In einer Zeit, in der die Obrigkeit in immer kürzeren Abständen vor der angeblich «unwahrscheinlichen» Möglichkeit von Versorgungsunterbrüchen bei Strom und Gas warnt und die Bevölkerung zum Sparen aufruft, mutiert das Betreiben einer vorweihnachtlichen Lichterkette fast schon zum revolutionären Akt. OK, ich übertreibe etwas.

Um in evtl. diesbezüglichen Diskussionen mit Passanten o.ä. zu bestehen, habe ich mich vorbereitet und nachgemessen. Über welche Größenordnung reden wir hier?

Die Lichterkette verwendet LED (logo!) und weist eine Leistungsaufnahme von 11 Watt [W] auf. Man müsste diese Lichterkette 91 Stunden lang non-stop brennen lassen, bis man eine (1.0) Kilowattstunde [kWh] elektrischer Energie verbraucht hat. 91 Stunden entsprechen knappen vier Tagen.

Natürlich betreibe ich die Lichterkette nicht ununterbrochen, sondern über eine Zeitschaltuhr gesteuert: die aktiven Zeiten sind morgens von 06:30 bis 08:30 und abends von 16:00 bis 22:00. Ich habe die Intervalle so gewählt, daß die dunklen Stunden des Tages, in der Menschen noch nicht, bzw. nicht mehr schlafen, abgedeckt sind. Also insgesamt acht Stunden pro Tag. Mit diesem Nutzungsprofil muss ich die Lichterkette bereits 12 Kalendertage lang betreiben, bevor ich die erste kWh elektrischer Energie verpulvert habe.

Offensichtlich ist der Advent nach 12 Tagen nicht vorüber. Ich plane, die Lichterkette im Intervall vom 26.11. bis und mit 31.12. zu betreiben, also genau fünf Wochen lang. Das sind fast 36 Tage, also dreimal 12 Tage (s.o). Somit komme ich für die gesamte Brenndauer während der (Vor-)Weihnachtszeit auf einen Gesamtenergieverbrauch von ziemlich genau 3 kWh.

Ist das denn viel?

Verglichen mit dem durchschnittlichen Verbrauch an elektrischer Energie für einen schweizer Zweipersonenhaushalt, welcher bei rund 3’000 kWh/Jahr liegt, wohl eher nicht (Quelle). Die Lichterkette trägt nur mit einem Promille zum jährlichen Gesamtverbrauch bei. Das liegt unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Zurück zu einer einzelnen Kilowattstunde: ist das viel?

Die Antwort hängt davon ab, woher sie bezogen wird:

1 kWh Energie ist z.B. in 0.1 Liter Benzin enthalten.

0.1 Liter Benzin aus der Apotheke. Die Aussage gilt aber auch für Benzin von der Tankstelle

Bei schonender Fahrweise in einem sparsamen Auto (Verbrauch 5 Liter/100 km) kommt man damit zwei Kilometer weit. Das ist nicht viel.

Der Brennwert eines mittelprächtigen Buchenholzscheits, gut durchgetrocknet, Abmessungen ca: 33 cm x 6 cm x 7 cm, Gewicht 1.05 kg, liegt bei mehr als 4 kWh.

Für eine einzige kWh müsste man also eine etwa 8 cm lange Scheibe dieses Buchenholzscheits absägen. So ein Klötzchen würde man im Wald vermutlich achtlos liegen lassen.

Was wäre, wenn man 1 kWh elektrischer Energie aus Batterien beziehen wollte?

Dann würde man 400 (vierhundert!) Mignon-Zellen vom Typ «AA» benötigen. Abgesehen von der Menge Sondermüll wäre das ein ziemlich teures Vergnügen.

Und was wäre, wenn man den Gegenwert von 1 kWh aus menschlicher Muskelarbeit beziehen wollte? Ein Radprofi müsste dafür bei einer Dauerleistung von 250 Watt vier Stunden lang strampeln – ein Amateur bei einer Dauerleistung von 100 Watt sogar zehn Stunden lang. Das klingt nach einer erheblichen Anstrengung.

Überhaupt, der Mensch: ein (1.0) kg Fettgewebe, welches sich Viele von uns wohl bis zur ersten Januarwoche anfuttern werden, entspricht energetisch 7’000 Kilokalorien, oder mehr als 8 kWh. Das Zeug ist ähnlich energiereich wie Benzin! Anders ausgedrückt: nur 125 Gramm (¼-Pfund) Winterspeck entsprechen ebenfalls einer Kilowattstunde!

Weihnachten – Zeit des Kerzenlichts?!

Der Kerzenkonsum in der Schweiz liegt pro Kopf und Jahr bei kapp 3 kg (Quelle). Ein scharfer Beobachter und scharfzüngiger Kommentator hielt hierzu fest, daß dieser durchschnittliche Pro-Kopf Verbrauch sich zusammensetzt aus etwa 6 kg pro weiblichem Kopf und 0 kg pro männlichem Kopf. Aber darum darum soll es nicht gehen. Kerzen, auch Teelichter, bestehen zum großen Teil aus Paraffin, welches einen Brennwert von 12.5 kWh/kg aufweist. Alleine durch das Abbrennen von Kerzen gehen so pro Jahr und Kopf im Schnitt über 30 kWh in Rauch auf, mehr als zehnmal so viel wie durch meine Lichterkette.

Es gibt viele Möglichkeiten, Energie einzusparen oder zu verschwenden. Die meisten sind nicht so offensichtlich wie eine zur Strasse hin montierte Lichterkette. Aber meine Lichterkette soll auch ganz bewusst denjenigen, die im Dunkeln zur Arbeit fahren oder zur Schule gehen oder im Dunkeln nach Hause kommen, eine kleine Freude mit auf den Weg geben. Jeder wird für sich persönlich eine Auswahl treffen, wo er sparen möchte. In meiner persönlichen Prioritätenliste kommt der Verzicht auf eine Lichterkette jedenfalls ganz weit hinten. Fürs Energie-Sparen habe ich aus den übrigen 99.9% meines Jahres-Stromverbrauchs noch genug zur Auswahl.

Ein Gedanke zu “Energie sparen im Advent?”

  1. Danke für diesen für mich absolut humorvollen Beitrag 🤣
    Ich wünschte mir einen solchen Durchhaltewillen in Sachen Recherche. Fundiert einfach gut und eben für mich lustig. Mutig, dass du das machst.. die meisten Menschen ’sparen› im Aussen und verschwenden im Innen..
    Liäbe Gruess
    Anita

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