Im Märzen der Biker …

… die Rösslein einspannt. Setzt aber voraus, daß sie nach einem ungewohnt langen und kalten Winter im Appenzell wieder anspringen. Und da hat die Ural komplett und verdientermaßen den Dienst verweigert. Ich hatte ihr nämlich Null Pflege gegönnt.

Quelle: https://www.polo-motorrad.com/de-ch/hi-q-tools-batterieladegeraet-900–12v-900ma-fuer-blei-saeure-50020000900.html

Zum Glück liegt ihr Winterlager an einem abschüssigen, asphaltierten Wirtschaftsweg, und so konnte ich sie im zweiten Gang «anrollen». Also gleich aufgebrochen zu einer unangemeldeten, pro-russischen Demonstrationsfahrt zum Polo-Store St. Gallen. Dort habe ich mir ein mäßig schickes, dafür aber absolut funktionstüchtiges Ladegerät gekauft, mit digitaler Spannungs- und gleichzeitiger digitaler Ladestromanzeige. Lädt mit max. 900 mA, also absolut angemessen für eine Normalladung der 18 Ah Batterie der Ural. Bei Erreichen der Ladeschlussspannung von 14.4 V schaltet das Gerät zuerst auf 230 mA zurück, um noch einen letzten Rest an Ladung reinzuquetschen. Wenn dann wieder die Ladeschlussspannung erreicht wird, schaltet das Gerät ab und aktiviert sich erst wieder, wenn die Batteriespannung unter einen Schwellenwert gefallen ist. Dann wiederholt sich der Zyklus. Das Ganze für unglaubliche CHF 29.95 – für schweizer Verhältnisse ein absolutes Schnäppchen 😎

Zu Hause dann natürlich gleich angehängt und mich an der langsam aber steig steigenden Batteriespannungs-Anzeige erfreut. Leider habe ich inzwischen gelernt, daß das Erreichen der Ladeschlussspannung nicht zu verwechseln ist mit der Wiederherstellung der ursprünglichen Batteriekapazität. Die Batterie scheint echt «tot» zu sein und nur noch unter Intensiv-Behandlung ein paar Vitalfunktionen vorzutäuschen.

Also muss eine neue her. Update hierzu weiter unten im Artikel.

Immerhin habe ich inzwischen gelernt, die Ural bei warmem Motor mit dem Kickstarter anzutreten. Bei kaltem Motor ist mir das noch nie gelungen. Ich habe sie auch schon auf halbwegs ebener Straße anschieben können, aber bei etwa 400 kg Leergewicht ist das mühsam und kann das natürlich kein Dauerzustand bleiben.

Ich denke also darüber nach, mir eine Batterie mit größerer Kapazität einzubauen. Mal ausmessen, was denn reinpassen würde – auf’s Gewicht kommt es bei ihr ja nicht so an …

Für die Ducati-Fahrer unter den Lesern: meine Monster hat den Winter über genauso wenig Pflege erfahren wie die Ural. Allerdings präsentiert sich deren Original-Batterie im inzwischen siebten Jahr (Modell 2015) weiterhin im Top-Zustand! B-) Letzte Ausfahrt war an Sylvester 2021 – nun ist sie wieder problemlos angesprungen.

Update 16.03.2021:

Die neue Batterie ist da und bereits eingebaut. Der Plan mit der vergrößerten Kapazität traf schnell auf physikalische Beschränkungen: in aller Regel geht eine höhere Batteriekapazität mit einem größeren Batterievolumen einher: also müsste sie entweder länger, breiter und/oder höher ausfallen. Der verfügbare Einbauraum erlaubt hier allerdings nur wenig Spielraum. Aber ich habe dann doch eine Batterie gefunden, die bei quasi-gleichen Abmessungen ca. 10% höhere Kapazität verspricht: 20 Ah anstatt Serienansstattung mit 18 Ah. Das tönt schon mal gut und gab bei mir den Ausschlag beim Kaufentscheid!

Die Kandidaten im Direktvergleich: recht Serie, links Ersatz

Wenn man sich die Typenschilder genau anschaut, dann sieht man, daß die rechte Batterie (Serie, Marke Yuasa) detailliertere technische Angaben macht: so wird differenziert zwischen der Kapazität bei einer 20-stündigen (20HR) Entladung von 18.9 Ah und einer bei 10-stündigen (10HR) Entladung von 18 Ah. Tatsächlich kann man einem Bleiakku mehr Ladung entnehmen, wenn man dies _langsam_ tut, bei niedrigen Stromstärken. Damit entsprechen beide Lastfälle vielleicht einer Nacht mit eingeschaltetem Standlicht, was aber für das Startverhalten wenig relevant ist.

Die HVT-HD Natterie verspricht im Vergleich «20 Ah», allerdings ohne Angabe der Prüfbedingungen. Daraus sollte man also noch nicht zuviel Vorteil ableiten.

Was aber aus meiner Sicht sehr vielversprechend ist:

Die HVT-HD verspricht einen Kurzschlussstrom von 350 A, im Gegensatz zu den 270 A der Yuasa sind das fast 30% mehr! Und das ist genau der Anwendungsfall, auf den es beim Kaltstart ankommt. Ich hoffe, ich habe hier richtig gepokert und das amerikanische (igitt!) Produkt hält auch gegenüber einem russischen Fahrzeug, was es verspricht.

Anlässlich des Batterieaustauschs habe ich dann gleich noch den permanenten Zugang für das Ladegerät installiert (Bildmitte, schwarzes Kabel mit zwei Kabelbindern am Rahmen befestigt, anstatt Batterieklemmen (ebenfalls im Bild zum Vergleich), welche aber sehr fummelig und mühsam anzubringen waren. All das gehört übrigens zum Lieferumfang des o.a. Ladegeräts!

Praktisch: werkzeugloser Zugang für Ladegerät

Dieser Ladezugang ist zukünftig nach werkzeuglosem Abnehmen des linken Seitendeckels unmittelbar zugänglich.

Was mir noch aufgefallen ist: sowohl Massekabel als auch Anlasser-Stromversorgung sind in völlig unangemessener 10 mm2 Kabelquerschnitt-Sparversion ausgeführt.

Kümmerlich: 16mm2 Zuleitung zum Starter-Relais

So kann das natürlich nix werden mit den bis zu 350A, die die Batterie angeblich rauslassen könnte. Da werde ich also bei nächster Gelegenheit nachbessern. (Siehe update weiter unten)

Erfreulich: unmittelbar nach Montage der neuen Batterie, und ohne persönliches Nachladen, sprang die Ural nach gefühlt knapp halb-sekündlichem Drücken des Starknopfs an.

Besonders erfreulich: selbst bei Leerlaufdrehzahl leuchtet die Ladekontrollleuchte im Dashboard nicht auf. Vor dem Batterietausch hatte es deutlich erhöhte Drehzahl erfordert, diese zum Verlöschen zu bewegen. Also: in dieser Hinsicht blicke ich der Ge-spann Saison jetzt absolut ent-spannt entgegen. 😎

Update am 30.03.2022:

Noch rechtzeitig für den Titel dieses Beitrags habe ich heute die bestellten Masse- und Anlasserkabel mit Querschnitt 35 mm2 erhalten. 😎 Die fertig konfektionierten Kabel habe ich in exakt der bei LeckerStecker.de bestellten Ausführung (jeweils 30 cm Länge, 35 mm2 Querschnitt, Kabelschuhen mit 6 mm Bohrung in schwarz/rot) für insgesamt knapp € 40.- in die Schweiz geliefert bekommen. Abwicklung und Qualität der Ausführung haben meine (grundsätzlich hohen) Erwartungen vollumfänglich erfüllt. Den Anbieter kann ich also guten Gewissens weiterempfehlen!

das (10 mm2) soll ein Massekabel sein? _DAS_ (35 mm2) ist ein Massekabel!

Das Anlasser-seitige Auge des Kabelschuhs des roten Plus-Kabels habe ich auf Ø 8 mm aufgefeilt, damit es auf die 8 mm Verschraubung des Anlassers passt. Batterie-seitig und auch an der Verschraubung des Massekabels am Getriebegehäuse liegen 6 mm Verschraubungen vor. Hätte ich also auch bei der Bestellung schon passend konfigurieren können, wenn ich das zu ersetzende Kabel bereits vor der Bestellung ausgebaut gehabt hätte. Diese kleine Nacharbeit geht also vollständig auf mich. Ich wollte halt meine Ural während der Lieferzeit nicht einsatz-unfähig belassen.

Hinweis: die bestellte Kabellänge wird exakt wie bestellt geliefert. Der Augenabstand vergößert sich entsprechend den Abmessungen der Kabelschuhe für den gewählten Kabelquerschnitt. In meinem Fall um immerhin ca. 3.5 cm.

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