Unterwegs zum Hundeparadies…

Liebe Artgenossen, liebe Zweibeiner, ich will nicht lange drum herum reden: wenn Ihr das hier lest, bin ich bereits in ein Revier gewechselt, in das Ihr mir nicht folgen könnt.

Meine Lebensuhr ist unerwartet- und wie wir alle finden: viel zu früh! – bereits im Alter von etwa zehneinhalb Jahren sehr abrupt abgelaufen. Und das kam so:

Nachdem ich von einem Tag auf den anderen Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hatte (Unwillen/Unfähigkeit, ins Auto zu springen, Schonverhalten bezüglich rechtem Hinterlauf), hatten mich meine Chefs gleich zum Tierarzt zur Untersuchung gebracht, die allerdings keinen eindeutigen Befund ergab. Zu der Zeit vermuteten wir alle noch ein eher orthopädisches Problem wie z.B. eine Zerrung o.ä.. Immerhin war ich ja bis zuletzt immer noch ziemlich Wildsau-mäßig unterwegs gewesen. Das war am Freitag. Abgesprochen war, dass ich nach dem Wochenende erneut zur Kontrolle käme.

Nun hatte sich aber mein Zustand über Nacht weiter verschlechtert, mit Gleichgewichtsstörungen und ausgesprochener Orientierungslosigkeit, sodaß meine Chefs trotz Wochenendruhe nochmals unsere Tierärztin bemühen mussten. Sie war diesmal erkennbar besorgt, und wir waren uns einig, dass die Symptome nun doch eher auf einen neurologischen Befund hindeuteten. Sie überwies uns nach eigener, gründlicher Untersuchung gleich an die Tierklinik Masans in Chur. Dort musste ich eine Nacht lang bleiben. Am Sonntag wurde dann mittels CT ein etwa walnussgroßer Tumor an inoperabler, zentraler Stelle in meinem Hirn diagnostiziert. Nach dieser Diagnose waren meine Chefs am Boden zerstört. Kurz nachdem ich aus der Narkose aufgewacht war, standen meine Chefs bereits da. Ich wurde umgehend nach Hause geholt mit der Ermahnung der Tierärztin, dass wir uns nicht mehr allzu viel Zeit nehmen dürften.

So konnten wir immerhin noch in Ruhe voneinander Abschied nehmen. Das war für alle Beteiligten wichtig! Nach intensivem kuscheln wurden dann aber meine Kopfschmerzen unerträglich, was ich auch mit winseln kund tat. Wieder war unsere Tierärztin ohne weitere Nachfrage bereit uns für den letzten gemeinsamen Ausflug zu empfangen. Die Details wird jeder Hundehalter kennen.

Nun durchstreife ich also jenseitige Reviere. Ob’s da auch Kühe gibt? Muss ich unbedingt mal gründlich rekognoszieren! Wuff!

Ihr, die Ihr zurückgeblieben seid: seid nicht traurig, daß ich Euch verlassen habe: freut Euch, daß wir so eine tolle Zeit miteinander hatten, und daß Ihr mich, so wild wie ich war, in Erinnerung behalten könnt! Ich kann Euch jedenfalls sagen, daß ich ein lässiges Rudel hatte, und wir viel cooles Zeug miteinander unternommen haben: all die gemeinsamen Bergtouren, z.B. zum Gletschergarten in Zermatt, wo sich so ein unverschämter Schmetterling ausgerechnet auf meiner Nase niederließ. Die Tour zur Hörnlihütte, mit Passagen über Gitterroste, für mich ein Klacks. Genausowenig wie unser gemeinsamer Dreitausender, das Flüela-Schwarzhorn. Und mit Sicherheit wird niemand vergessen, wie ich einmal unser gesamtes Rudel durch mein Gebell in Lebensgefahr brachte, damals, als uns auf dem Jura-Höhenweg eine verwilderte Kuhherde den Weg versperrte. Andererseits hatte ich aber auch ein untrügliches Gespür dafür, wenn mein Rudel im Begriff war, sich ins Unglück zu stürzen, wovon ich sie mehrfach durch anhaltendes Gebell abhalten konnte. Gell, erinnert Ihr Euch noch an den ersten, wegen zuviel Schnee, gescheiterten Angriff auf die Ageteplatte …? und, und, und….

Ja, da könnte ich noch stundenlang erzählen. Diese gemeinsamen Abenteuer haben unser Rudel zusammengeschweisst.

Also liebe Rudelmitglieder, denkt daran, wenn ihr mal traurig seid: ihr habt ja hunderte von Fotos von den schönen, verrückten, wilden und ruhigen Momenten gemacht, da könnt Ihr stöbern und die Vergangenheit wieder ein bisschen aufleben lassen.

Dann bin ich jetzt mal weg und wer weiss, vielleicht sehen wir uns ja irgendwann mal wieder.

Eure Ginger


Nachtrag am 12.03.2022: wie ich gerade von meiner Hunde-Wolke aus sehe, fanden es Ursula und Chris mit mir anscheinend so lässig, daß sie ihr Rumpf-Rudel unbedingt wieder mit einem Hund bereichern wollen. Es gibt bereits eine Kandidatin, und die hat sogar schon ihre eigene Webseite!

3 Gedanken zu „Unterwegs zum Hundeparadies…“

  1. Liebe Ginger, wir haben es ja schon deinem Frauchen geschrieben, platzieren es aber gerne auch noch hier! Wir und Alex wünschen Dir von Herzen eine gute Zeit, auf der anderen Seite. Besonders ich die olle Hütte-Tante dankt Dir sehr, für unsere gemeinsame Zeit, Du warst eine Bereicherung in meinem/ unserem Leben. Nun machs mal gut, und berichte ob Du die Kühe gefunden hast. In dem Sinne …lass ganz nach Ginger-Manier die Sau raus!

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