Vielzutun in 2021

In diesem Beitrag werde ich das Thema «Corona» nicht vollständig umschiffen können, aber der Schwerpunkt gilt weiterhin unserem Blog Vielzutun.ch . Inzwischen sind wir bereits seit drei Jahren online, und der im Februar 2020 von mir hinzugefügte «View»-Zähler liefert weiterhin interessante Erkenntnisse:

Seitenabrufe des Blogs Vielzutun.ch für die Jahre 2021 (grün) und 2020 (magenta)

Insgesamt konnte unser Blog bis Ende 2021 über 44’000 Seitenaufrufe verzeichnen, gegenüber dem Zustand vor einem Jahr (14’000) eine mehr als Verdreifachung. Fairerweise müssen wir die Anzahl Seitenabrufe abziehen, welche wir anfangs des zurückliegenden Jahres bereits erzielt haben, und so verbleiben für 2021 über 30’000 Seitenabrufe, immer noch eine Verdopplung innerhalb eines Jahres. Das ist das Positive.

Lag Ende 2020 der Schwerpunkt der durchschnittlichen Seitenabrufe pro Artikel noch mit einem markanten peak bei etwa 210, so hat sich das Profil in 2021 deutlich abgeflacht, mit einer durchschnittlichen Abrufzahl von 500, bei verbreiterter des Basis und einer weiter fortgeschrittenen Ausdifferenzierung in Richtung «einsame Spitzenreiter». Allein die fünf meistgelesenen Beiträge (von inzwischen 88) vereinen aktuell bereits 25% aller Seitenabrufe auf sich. Unser Blog ist «reifer» geworden und kann bereits von der Substanz zehren. Kritisch muss man aber auch sehen: dieser Blog hat ein «Nachwuchsproblem»: es findet sich kein einziger «Newcomer» mehr in der Kategorie 0-100 Seitenaufrufe. Ich komme weiter unten darauf zurück.

Zunächst die aktuelle Hitliste der Top-10 Beiträge per 31.12.2021:

Rang 1

Auf Rang 1 findet sich ein alter Bekannter, mein Interaktiver Feder-Rechner. War dieser Beitrag in 2020 noch durch den aktuell Zweitplatzierten von der Spitzenposition verdrängt worden, so hat er in 2021 durch eine unspektakuläre, dabei beeindruckend gleichmäßige Ausdauerleistung sehr souverän die Spitze zurück erobert und dabei seine Seitenabrufzahl gegenüber 2020 fast vervierfachen können.

Als Grund für diesen Erfolg sehe ich zum einen die klare Strukturierung und anscheinend nachvollziehbare interaktive grafische Aufbereitung der physikalischen Zusammenhänge. Zum anderen sehe ich auch eine große Zielgruppe potenzieller Anwender, die weit über Ducati-Motorräder mit direkt abgelenktem Zentralfederbein hinausreicht, wie mir bei meinen Untersuchungen zur Kinematik der Hinterradaufhängung der V4 Modelle bewusst geworden ist. Somit ist ein beständiger Zustrom an neuen Lesern sichergestellt, welche von diesem Artikel bisher noch nicht profitiert haben.

Ich habe auch aktuell kein Thema in der pipeline, welches meiner Einschätzung nach diesem Artikel im nächsten Jahr die Spitzenposition streitig machen könnte.

Rang 2

Rang zwei ist ebenfalls ein alter Bekannter, mein Interaktiver 3D Motorrad Gespann-Simulator und vorjähriger Spitzenreiter. Daß dieser seinen Spitzenplatz wohl nicht würde halten können, hatte sich bereits vor einem Jahr abgezeichnet. Auch wenn ich mit meinem Artikel Gespann-Simulator extrem! über die Gültigkeit meines theoretischen Ansatzes auch unter vergleichsweise extremen Umständen (Ducati «Kneeler» Renngespann, siehe Bild) …

Hans-Hermann Fett und Thomas Riebel in action bei einem Klassiker Rennen

… das Thema noch einmal gepusht hatte, scheint das Interesse der vergleichsweise kleinen Gespannfahrer-«Szene» ausgeschöpft zu sein. Neuzugänge zu dieser Szene wachsen anscheinend langsamer heran als bei den Fahrern von Einspurfahrzeugen. Trotzdem: eine knappe Verdopplung der Leserzahl und ein verdienter zweiter Platz sind ein respektables Ergebnis.

Rang 3

Unverändert auf Rang drei befindet sich mit meinem Artikel über Die Lage des Schwerpunkts beim Seitenwagen Gespann der theoretische Unterbau zum aktuellen Zweitplatzierten. Offensichtlich wollen viele Leser und Nutzer des Interaktiver 3D Motorrad Gespann-Simulator nachvollziehen können, wie aus Beobachtungen im Fahrbetrieb Fragen entstehen, Theorien gebildet werden und diese dann experimentell und messtechnisch validiert werden, um schlussendlich in Form eines interaktiven 3D Simulators einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert zu werden.

Rang 4

Hier findet sich mit meinem Artikel Desmo Inside! der erste Neuzugang zu den diesjährigen Top-10: die Interaktive 3D-Animation des desmodromischen Ventiltriebs eines Ducati Testastretta Evoluzione Zylinderkopfs dürfte vielen Ducatisti die Augen geöffnet und Respekt vor der Leistung der Konstrukteure eingeflößt haben. Diesem Artikel hatte ich vor einem Jahr eine «glänzende Zukunft» vorhergesagt. Daß dieser «Glanz» mit inzwischen nachgerüsteten Chrom-Oberflächen durchaus wörtlich zu verstehen sein würde, konnte ich bei der Vorstellung dieser Animation vor mehr als einem Jahr allerdings noch nicht ahnen. Wie auch immer: aus dem Stand auf Rang 4 in diesem Blog ist ein tolles Ergebnis, und der Spitzenplatz im Suchmaschinen-Ranking bei aller mir eigenen Bescheidenheit 😉 wohlverdient.

Glänzend!

Die Möglichkeit, die Desmodromik (oder Teile davon!) aus beliebigen Blickrichtungen, in beliebiger Verlangsamung und mit selektiv aus- bzw. zuschaltbaren Baugruppen auch auf Mobilgeräten präsentieren zu können, ist nach meiner Kenntnis einmalig, und geht vom Erkenntniswert weit über einschlägige Youtube-Filmchen hinaus.

Rang 5

Nachdem der aktuelle Viertplatzierte neu in die Top-10 aufgenommen wurde, ist der vorjährige Viertplatzierte Federtausch im Federbein zwangsweise einen Rang abgerutscht. Hier geht es um die praktische Umsetzung der im Spitzenreiter-Artikel gewonnenen Erkenntnisse.

Rang 6

Für mich unerwartet konnte sich mein Artikel Mit Hund im Ural Seitenwagen vom vorjährig 9. Rang auf den diesjährig 6. Rang verbessern. Als Autor neigt man dazu, die eigene Mühe beim Erstellen eines Artikels bzw. das Maß des investierten Gehirnschmalzes zum Maßstab für dessen «Wert» anzusehen. Offensichtlich sehen das meine Leser anders: Mit knapp oberhalb von 1’000 Seitenabrufen nimmt dieser Artikel einen soliden und unangefochtenen 6. Platz ein. Die Leser haben es so gewollt.

Rang 7

Auch mein Artikel Zentralfederbein – Teil 1 ist bereits ein alter Bekannter, und ist gegenüber dem Vorjahr um eine Position nach hinten gerutscht.

Rang 8

Trotz der in den vorderen Plätzen erfolgten Verschiebungen hat mein Artikel über das Federbein mit Axiallager seine Position gegenüber dem Vorjahr gehalten, was einer relativen Verbesserung gleichkommt. Das Projekt war sehr aufwändig, wobei hier der Löwenanteil auf die mechanische Fertigung entfiel. Hat echt Spaß gemacht, auch wenn für’s Fahrverhalten nichts dabei herumgekommen ist.

Eigenbau Nutmutter für Öhlins Federbein mit 13 mm Kragen für Axiallager

Rang 9

Das ganze Jahr über war meiner Aufmerksamkeit völlig entgangen, daß mit Sekundärantrieb ein vergleichsweise früher Artikel von mir aus dem Mai 2019 sich «unter dem Radar» auf den aktuell 9. Rang vorgearbeitet hat. Da war ich echt baff, als mir das bei der Aufbereitung der diesjährigen Statistik auffiel!

Artwork © 2019 – 2022, Vielzutun.ch

In diesem Beitrag, der eine meiner ersten Interaktiven 2D-Visualisierungen enthält, geht es um die technische Frage, welche Auswirkungen Änderungen an der Sekundärübersetzung (durch Austausch von Ritzel und/oder Kettenrad) auf das Fahrverhalten (Beschleunigung, Durchzug, Endgeschwindigkeit etc.) haben. Änderungen, deren Beliebtheit sich meiner Meinung nach besonders aus ihrer einfachen Durchführbarkeit sowie den geringen Kosten ergibt, deren positiver Nutzen jedoch selten gegeben sein dürfte. Vielleicht hat sich diese Einschätzung dank meines Simulators inzwischen weiter herumgesprochen?

Rang 10

Besonders gefreut hat mich, daß auch mein Artikel über den dringend angezeigten Ural Beleuchtungsumbau – das Resultat 😎 mit einer knappen Aufnahme in die Top-10 das meiner Meinung nach angemessene Interesse gefunden hat.

Daß der vorjährig auf diesem Rang befindliche Artikel über Chris (mich selbst) dadurch auf Rang 11 abgerutscht ist, kann ich gut verschmerzen – der gehörte in diesen Vergleich im Grunde sowieso nicht hinein.

Bewertung

Ich erwähnte weiter oben das offenkundige «Nachwuchsproblem» – die Frequenz, mit der hier neue Beiträge erscheinen, hat unübersehbar abgenommen. Woran liegt es? Darüber habe ich in den vergangenen Tagen viel nachgedacht – der Jahreswechsel ist ja eine gute Zeit dafür:

Ich habe eine ganze Reihe von Gründen ausgemacht:

Umbauten an meinen eigenen Töff sind abgeschlossen

Zum einen besitze ich meine Monster 1200S jetzt seit knapp sechs Jahren, die Ural seit immerhin auch schon drei Jahren. Die Monster 1200S ist weiterhin mein Traum-Motorrad, wegen der Reinheit des technischen Konzepts mit volltragendem Motor, der mehr als überzeugenden Fahrleistungen und der ab Werk bereits sehr hochwertigen Komponenten (Feder-/Dämpfer, Bremsen). Ich kaufe (und lese) keine Motorradzeitschriften, ich kriege kein Herzklopfen wenn irgendein Hersteller ein neues Modell auf den Markt bringt. Die Änderungen, die ich aus optischen oder technischen Gründen an meinen Töff vornehmen wollte, sind sämtlich vollzogen. Als kleine Restpendenz aus dem Thema «Wärmehaushalt der Monster 1200S» stünde vielleicht noch ein Ölthermostat auf dem Programm. Ich hatte bereits einen ausgesucht und bestellt, bin dabei aber erstmalig in meinem Leben an einen betrügerischen Händler geraten und habe so rund US$ 50.- in den Sand gesetzt. Seit dem habe ich das Thema noch nicht erneut aufgegriffen.

Auch das Thema «Teleskopgabel«, insbesondere die Rolle des Luftpolsters möchte ich gerne weiter aufarbeiten – das ist aus meiner Sicht noch offen. Aber das war’s dann, aus meiner Sicht. Dieses Projekt stockt derzeit, weil ich für die erforderlichen Messungen der Einfederungen das Vorderrad wiederholt ent- und be-lasten muss, mit oder ohne Fahrer, und mir mein bisheriger Werkstattkran abhanden gekommen ist – siehe folgender Abschnitt.

Verlust eigener Fertigungsmöglichkeiten

Meine Fertigungsmöglichkeiten sind durch unseren Umzug nach Appenzell Innerrhoden nahezu komplett weggebrochen. Die Drehbank musste ich verkaufen, gemeinsam mit meinem hydraulischen Werkstattkran, weil wir am neuen Wohnort keinen Platz mehr dafür haben. Der Zugang zur Freizeitwerkstatt Neuhausen, in der ich auf Fräsmaschine und Schweissausrüstung Zugriff hatte, ist den Corona-bedingten Einschränkungen zum Opfer gefallen. Werkzeuge vor und nach der Benutzung zu desinfizieren(!), bzw. mit Maske(!) am Schraubstock zu arbeiten, ist halt nicht mein Ding – also habe ich dankend auf eine weitere Teilnahme verzichtet. Man muss derartigen Quatsch ja nicht aktiv unterstützen. Was mich zum dritten Ursache-Komplex bringt.

Auswirkungen der Corona Psychose

Wesentlicher Antrieb meiner diesem Blog zugrunde liegenden Neugierde ist mein grundsätzlicher Zweifel an Behauptungen aller Art. Die immer wiederkehrende Frage: passen Behauptungen mit meinen eigenen Beobachtungen, Messungen und meiner Kenntnis naturgesetzlicher Zusammenhänge zusammen? Da dürfte es wenige Leser überraschen, daß Ursula und ich aus Überzeugung und trotz aller Schikanen weiterhin umgeimpft sind. Die ärgerlichste und für diesen Blog mit Auswirkungen verbundene Schikane ist der Wegfall der Reisefreiheit, also Grenzübertritten aller Art. Laut Covid Stringency Index (Bewertung der Einschränkung bürgerlicher Freiheiten im Gefolge von Covid) steht die Schweiz mit einem Wert per 31.12.2021 von 53.7% noch vergleichsweise liberal da, allerdings umgeben von einer in dieser Hinsicht aggressiv agierenden EU, angeführt von Deutschland (84.26%), Frankreich (72.22%), Italien (76.85%) und Österreich ((noch) 64.81%). Unsere Reisepläne, z.B. mit dem Ural-Gespann nach St. Petersburg zu fahren, sind dadurch leider auf nicht absehbare Zeit vereitelt. Das Traurige an der Tyrannei der Corona – «Maßnahmen» ist, daß ich seit zwei Jahren mit Familienangehörigen und Freunden in Deutschland nur noch telefonisch bzw. per Videokonferenz Kontakt halten kann.

Ausblick

Was macht man als Blogger, wenn einem sowohl aus eigener Beschäftigung mit seinem Hobby Themen für neue Beiträge fehlen, als auch die Anregungen aus Biker-Foren, an denen ich mich nicht länger beteilige, naturgemäß ausbleiben?

Immerhin ist unser Blogtitel Vielzutun.ch nicht nur deskriptiv gemeint, sonder wird von uns auch normativ verstanden. Nichtstun ist also keine Option.

Da wird es den ein oder anderen unter unseren Lesern vielleicht freuen zu erfahren, daß wir im Sommer die komplette Sbrinz-Route absolviert haben, in sieben Tage die Strecke von Grafenort nach Domodossola (I) über 150 km und rund 5’000 Höhenmeter, auf einer geführten Wanderung in Begleitung eines historischen Saumzugs mit Pferden, Maultier und Eseln. Das werden wir bei Gelegenheit in Form einer kleinen Artikelserie hier aufarbeiten.

Ich selbst bin noch tiefer in das Thema 3D-Graphik (Programmierung) mit der Three.js Bibliothek eingetaucht, auf deren Basis ich unter anderen für diesen Blog den Interaktiver 3D Motorrad Gespann-Simulator, die Testastretta Animation und das Desmo-Lab programmiert habe. Ich bin ein bisschen stolz darauf, daß ich inzwischen sogar zur Verbesserung der Code-Basis ein Wenig beitragen konnte, und der Three.js -«Riese» dank meines kleinen Beitrags ein Stückchen größer geworden ist.

Seit einigen Wochen habe ich mich an dem Problem festgebissen, die vorhandene Art der Berechnung von Reflexionen auf spiegelnden Oberflächen durch geschicktere Interpolation von Normalenvektoren der Eckpunkte von Dreiecksflächen näher an eine physikalisch korrekte Darstellung heranzuführen.

Aktuell kann ich die angestrebte Verbesserung bereits auf JavaScript-Ebene demonstrieren. Das Fernziel ist es jedoch, dies durch ein auf der Grafikkarte laufendes Shader-Programm realisieren zu lassen. Bis es soweit ist, muss ich allerdings noch die ein oder andere Lernkurve bewältigen. Ergebnisse werde ich zu gegebener Zeit auch hier veröffentlichen, obwohl ich nur eine geringe Überschneidung mit der bisherigen Leserschaft erwarte. Vorab schon mal zwei Teaser-Illustrationen:

Der bestehende Fehler äussert sich in den Zickzack-förmigen Knicken, speziell gut sichtbar entlang der roten Hilfslinien, welche sich immer an den Diagonalen der trapezförmigen Vierecke (dünne blaue Linien) einstellen:

Die Demonstration der angestrebten Verbesserung:

Bei der verwendeten Geometrie handelt es sich übrigens um ein modifiziertes Einlassventil aus meiner Desmo-Animation, auf die ich per reflection mapping ein Kugelpanorama einer Klausenpass-Überfahrt mappen lasse:

Biken und schöne Bilder davon machen wird mich auch weiterhin beschäftigen 😎

Wir wünschen allen unseren Lesern ein gutes Jahr 2022!

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