Lenkungsdämpfer

Die Ural cT ist bereits serienmäßig mit einem Lenkungsdämpfer ausgestattet. Sieht schick aus und macht auch «ordentlich was her» 😎

Im Bild:: die rahmenfeste Halterung des Lenkungsdämpfers

Ich hatte früher in einem deutschsprachigen Motorradforum für italienische Zweizylinder-Motorräder gelegentlich über sowas gespottet, d.h., über Leute die einen LD unbedingt nachrüsten wollten, damit er «was hermachen» sollte. Nun gut, jetzt habe ich also selber einen. Der hat bisher (hab immerhin schon ca. 70km runter!) ein unauffälliges Dasein gefristet.

Im Zusammenhang mit dem auffälligen Kraftaufwand bei Kurvenfahrten habe ich auf meinen bisher kurzen Fahrten zur Arbeit im Wesentlichen im Stop&Go Verkehr angefangen, ein paar kleine fahrtechnische Experimente auszuführen: z.B. durch ruckartige rechts-links Züge am Lenker einmal gewollte Unruhe ins Fahrwerk einzuleiten.

Und das hat besser geklappt als gewollt: Inzwischen neigt die Gute zu einem ausgesprägten Pendeln mit etwa 3 – 4 Hz , selbst bei den niedrigen Geschwindigkeiten von rund 30 – 50km/h. Ich muss den Lenker nun richtig gut festhalten, auch in der Geradeausfahrt. Sie braucht also tatsächlich einen Lenkungsdämpfer, aber der tut derzeit nicht, was er soll. Hmm!

Selbst das vollständige Schließen des Dämpfers kann das Pendeln nicht mehr abstellen. Zu Hause im Stand habe ich mir das einmal angeschaut, und siehe da: der LD ist Rahmen-seitig ordentlich an einer fest verschweissten Halterung befestigt, aber am beweglichen Ende mit einem (derzeitig nur noch locker mit der unteren Gabelbrücke verschraubten) , gekröpften 4mm Stahlblechausleger verbunden.

Ablenkung des Lenkungsdämpfers an unterer Gabelbrücke

Diese Verschraubung lässt inzwischen ein deutliches Spiel zwischen Auslegerblech und Gabelbrücke zu. Das ist natürlich ein alter %&?$#, und schon habe ich das erste Verbesserungsprojekt für die Ural an der Backe. Hab auch schon Ideen wie ich das angehen werde … 😎


Heute, am ersten Weihnachtstag, hatte ich Ruhe und Muße, mir das einmal im Detail anzusehen. Hier die wesentlichen Erkenntnisse:

Maßstäbliche Skizze des Anlenkblechs

Die schwarzen Linien zeigen von oben(!) mittig das Lenkrohr, sowie die beidseitigen (symmetrischen) M8 Gewindebohrungen auf der Unterseite der unteren Gabelbrücke. Die blaue Kontur zeigt das Auslegerblech, welches mit der Gabelbrücke verschraubt ist, und an dessen (in Fahrtrichtung) hinterem Ende der bewegliche Teil des Lenkungsdämpfers angelenkt ist.

Der Punkt ist nun, dass die Bohrungen des (blau gezeichneten) Auslegerblechs Durchmesser von jeweils 8,8mm aufweisen, während die Befestigungs Schrauben (M8) einen Durchmesser von lediglich 7,9mm aufweisen. An jedem Befestigungspunkt ist also ein radiales Spiel von 0,9mm möglich. Daraus ergibt sich bei einem Abstand der Befestigungsbohrungen von 30mm ein «Schlacker»-Potenzial von ARCTAN(0,9mm / (30/2)mm) = 3,44°, in der obigen Zeichnung als dünne blaue Linie eingetragen. Für die Lenkachse bedeutet das immer noch ein Spiel von 2,2° (rot), während dem der Lenkungsdämpfer von einer Lenkbewegung nichts «mitkriegt». Das reicht für das beobachtete Pendeln offensichtlich bereits aus.

Ich plane nun, ein neues Auslegerblech anzufertigen, oder fertigen zu lassen (Laserschneiden), welches sowohl präzise geriebene Bohrungen von 8,0mm aufweisen soll, als auch sämtliche vier Bohrungen der Gabelbrücke zur Befestigung nutzen soll. Das würde etwa so aussehen:

Das zukünftige Anlenkblech

Das radiale Spiel pro Bohrung wäre dadurch bereits auf 0,1mm reduziert (gegenüber derzeit 0,9mm). Durch Nutzung aller vier Bohrungen wäre der größte Bohrungsabstand dann ca. 114mm, gegenüber derzeit 30mm, und das «Schlacker»-Potenzial des Auslegerblechs läge bei nur noch ARCTAN(0,1mm / (114/2)mm) = 0,1°. Das wäre schon recht ordentlich.

Die Herausforderung wird sein, die Gabelbrücke mit ihren Gewindebohrungen präzise genug zu vermessen, damit vier Verschraubungen mit jeweils nur 0,1mm radialem Spiel gleichzeitig passen werden.

Herausforderungen sind bekanntlich dazu da, bewältigt zu werden: Ich hatte in meinem Fundus noch vier Schlossschrauben M8, die ich per Dremel-Flex kurzerhand von ihren Köpfen befreite, sowie auf der Drehbank mit einer kegeligen Spitze versah:

Diese Bolzen werde ich nun in die Gewindebohrungen der Gabelbrücke einschrauben und mit einer Kontermutter anziehen um allfälliges Spiel im Gewinde zu neutralisieren. Dann kann ich einen «Abdruck» der Bohrungspositionen auf ein geeignetes Material abnehmen und quasi «offline» ausmessen.

Die Fortsetzung des Projekts ist hier beschrieben …


2 Gedanken zu „Lenkungsdämpfer“

  1. Hallo,
    ich suche einen guten Lenkungsdäpfer für mein Indian Scout Gespann. Momentan ist einer für eine Yamaha XS 650 verbaut, viel zu schwach. Bei der BMW ist es kein Problem, da ist ein Reibungsdämpfer. Ich bin gestern etwa 240 km mit der Indian gefahren, aber das Ding ist vorne sehr instabil. Sie tänzelt richtig und man benötigt fast die ganze Spur. Bin gespannt auf Eure Antwort.
    Grüsse
    Kurt

    1. Hallo Kurt,

      wenn ich zuerst ein wenig präzisieren darf:

      ein Reibungsdämpfer ist technisch gesehen kein Dämpfer, sondern eine Bremse. Der entscheidende Unterschied: eine (schleifende) Bremse entwickelt bei allen Geschwindigkeiten eine konstante hemmende Kraft, während ein Flüssigkeitsdämpfer eine der Bewegung entgegengesetzte, Geschwindigkeits-proportionale Kraft entwickelt. Mit «Geschwindigkeit» ist hier nicht die Fahrzeuggeschwindigkeit gemeint, sondern die Geschwindigkeit, mit der sich der Lenkwinkel ändert.

      Der technische Nachteil eines Reibungsdämpfers ist, daß er, um Hochgeschwindigkeitsflattern zuverlässig zu unterdrücken, recht stramm angezogen werden muss. Dies führt in der Langsamfahrt zu einem gestörten Geradeauslauf mit Tendenz zur niederfrequenten Schlangenlinienfahrt. Im Gegensatz dazu hemmt ein echter Dämpfer langsame Lenkbewegungen nicht spürbar, und entwickelt bei Hochfrequenzanregung doch ausreichende Gegenkräfte.

      Ich würde daher auf jeden Fall zu einem einstellbaren hydraulischen Lenkungsdämpfer raten.

      Der an meiner Ural verbaute Bitubo erfüllt für mich bei allen Fahrzuständen den Zweck zu meiner vollen Zufriedenheit. Eine Typbezeichnung kann ich aktuell nicht liefern, aber wenn es von Interesse ist, würde ich mal ganz genau hinschauen. «Indian» klingt jetzt für mich nach etwa ähnlicher Gewichtsklasse, aber natürlich spielt auch noch der Nachlauf in die Auswahl eines geeigneten Dämpfers mit hinein.

      Grüsse,

      Chris

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